1. Kultur

Aachen: Neu: Notrufsäule im Netz

Aachen : Neu: Notrufsäule im Netz

In Emsdetten hat es einer getan. Davor in Erfurt. In Amerika passiert es alle Nase lang: Jugendliche ticken durch, rasten aus, laufen Amok. Oft genug, so wie in Emsdetten, tun sie es mit „Anlauf” - der Täter hatte seine Pläne schon Wochen vorher im Internet bekannt gemacht. Die Polizei erfuhr davon erst, als es zu spät war.

Jetzt soll alles anders werden. Die Polizei in NRW verfügt jetzt über eine so genannte Internetwache, mit der in Zukunft ganz gezielt Jugendliche angesprochen werden sollen, um „Austicken mit Anlauf” zu melden.

„Warum Jugendliche ab und an durchdrehen, können wir nur erahnen”, sagt Wolfgang Bois, Pressesprecher des Innenministeriums des Landes NRW. „Aber Faktoren wie Frust und mangelnde Anerkennung können dazu führen, dass da ein Wunsch nach Rache, nach Vergeltung heranwächst, den die dann irgendwann in die Tat umsetzen.”

Wer die Internetwache besucht, findet eine aufgeräumte, saubere kleine Seite vor. Hauptfunktion ist eine Art Formular, in das der Surfer seine Daten und die der mutmaßlichen oder angedrohten Straftat(en) eintragen kann. „Auch geschilderte und dargestellte Gewaltphantasien können Hilferufe sein, bevor tatsächlich Gewalt ausgeübt wird!”, warnt ein Erklärungstext davor, lieber zu früh als zu spät Meldung zu erstatten.

Tag und Nacht bereit

Hinter dem gezielten herangehen an Teenager steckt bei der Polizei die Erkenntnis, dass sich junge Menschen anders „sozialisieren” - also dass für viele Teens mittlerweile das Netz der zentrale Punkt für Meinungsaustausch, Verabredungen, Information und Unterhaltung geworden ist.

Aachens Polizei-Pressesprecher Paul Kemen drückt es so aus: „Junge Leute können hier mit einem Mausklick ihre Sorgen losewerden” - die Internetwache als eine Art digitaler Notrufsäule im Internetzeitalter. Wer online der Polizei schreibt, dessen Meldung läuft zentral in Düsseldorf ein und wird rund um die Uhr sofort gesichtet, vorbearbeitet und dann sofort an die zuständigen Kollegen in allen NRW-Dienststellen weitergeleitet.

Effizient sei das, sagen die Polizisten. Und es hat noch einen weiteren Vorteil: „Die Präsenz im Netz baut macht es den Jugendlichen einfacher, uns etwas zu sagen, weil sie immer ganz nah an uns dran sind, aber trotzdem eine gewisse Schranke des persönlichen Kontaktes nicht überschreiten müssen.

Konkrete Beispiele gibt es aus Aachen und Umgebung bislang nicht. An den „Hits”, den so genannten Clickzahlen, die ausdrücken, wie oft eine Internetseite gelesen wird, könne man aber bereits jetzt ablesen, dass „viele Leute zumindest wissen, wo etwas passiert - und das sie wissen, dass wir im Netz sind”, so Kemen.