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München: Nenas Liebeserklärung: Neues Album „Made in Germany”

München : Nenas Liebeserklärung: Neues Album „Made in Germany”

Ihre erste LP hat Sängerin Nena vor knapp 30 Jahren veröffentlicht. Mit „Made in Germany” erscheint am 2. Oktober ihr neues Werk. Nicht nur der Sound der 80er Jahre klingt vertraut, Nena hat auch auf ein altbewährtes Team zurückgegriffen - mit Reinhold Heil, der schon die ersten drei Alben mit ihr produzierte, sowie Derek von Krogh und Uwe Fahrenkrog-Petersen, die in den 80ern Keyboarder in ihrer Band waren.

Mit der Sängerin, die demnächst Oma wird, am 24. März ihren 50. Geburtstag feiert und am liebsten geduzt wird, sprach ddp-Korrespondentin Marina Antonioni in München.

Der Titelsong des Albums „Made in Germany” ist eine große Liebeserklärung an Deutschland. Wie kam es dazu?

Nena: Ich hatte schon immer mal Lust, ein Lied über Deutschland zu schreiben. Bei diesem Album war das Songwriting eigentlich schon abgeschlossen und plötzlich kam dieses Lied noch um die Ecke. Man weiß ja nicht, woher die Ideen immer kommen. Das sind für mich Geschenke aus einer unsichtbaren Welt, und ich bin jedes Mal wieder erstaunt, was da angeflogen kommt.

Du singst, „Germany, hier gehör ich hin”, „Dich verlass ich nie”, „meine Liebe”. Was liebst Du an Deutschland?

Nena: Warum liebe ich einen Menschen? Einfach weil ich mich ihm zugehörig fühle. Ich fühle mich mit ihm verbunden. Aber erklären kann ich es nicht. Es ist dieses Gefühl, hier zu Hause zu sein. Das kenne ich seit meiner Kindheit. Ich reise viel und gerne und finde viele Orte auf der Welt wunderschön. Aber ich komme auch voller Freude wieder zurück. Hier bin ich aufgewachsen und hier fühle ich mich zu Hause. Das wollte ich sagen.

Manche würden sich mit so einem öffentlichen Liebesbekenntnis zu Deutschland nach wie vor schwer tun.

Nena: Auch aus diesem Grund habe ich es gemacht, weil ich es einfach leid bin, das nicht sagen zu dürfen. Das hat schon auch etwas damit zu tun.

Dein Sohn Sakias singt bei zwei Songs auf dem Album mit. Wessen Idee war das?

Nena: Wir leben in unserem Haus ja alle zusammen - nicht nur wir mit unseren Kindern, sondern auch mit anderen Leuten. Wir sind eine Art Gemeinschaft. Und alle, die da wohnen, sind mit der Musik groß geworden. Meine Kinder sind alle sehr musikalisch. Bei so einer Produktion klinken sie sich ein. Beim Song „Schmerzen” war ich zu Hause, saß da mit einer Gitarre und hatte plötzlich diesen Impuls, Sakias zu fragen, ob er das mit mir machen will. Da musste ich nur hochrufen: Hey, hast du Lust, mal runterzukommen?

Beim zweiten Titel „Ganz viel Zeit” singt er den größten Teil sogar allein.

Nena: Ja, er singt supergern, und ich mag einfach seine Stimme so gern. Bei uns geht es nie nur um diese Mutter-Kind-Rollen-Verteilung, sondern es geht darum, gemeinsam ein Leben zu gestalten. Jeder hat seinen Space, aber wir kommen an ganz vielen Stellen immer wieder zusammen. Das ist echt schön.

Deine Tochter Larissa ist schwanger. Mit welchen Gefühlen hast Du davon erfahren?

Nena: Mit Freude, mit einer natürlichen Freude. Für mich ist das kein großer Akt, Frauen kriegen Kinder - auch die eigenen Töchter. Das ist ein neues Gefühl, aber es haut mich auch nicht um.

Keine Sorge, dass sie mit 19 „zu früh” dran sein könnte?

Nein: Nein. Sich in der Hinsicht Sorgen zu machen, ist wirklich langweilig. Die hat ihr eigenes Leben und sie entscheidet, wann sie Kinder kriegt. Da mische ich mich überhaupt nicht ein. Ich freue mich darauf.

Im Frühjahr geht es auf Tour. Für Kinder habt Ihr vorne eine „Kids Area” eingeplant. Kommen viele Kinder?

Nena: Ja, immer. Dieses Mal wollten wir ihnen einfach mehr Raum geben. Es ist so was von süß und toll, wie die Kinder bei den Konzerten drauf sind. Ich hole sie auch gern auf die Bühne, manchmal stehen 100 Kinder da. Dann setzen die sich ans Schlagzeug und fangen an zu spielen, die sind so frei. Und ich staune immer, wenn Sechsjährige meine Texte singen. Das ist echt verrückt.

Im März steht Dein 50. Geburtstag bevor. Ein besonderes Datum?

Nena: 50 zu werden, ist einfach total lustig. Ich meine, älter werden ist ja was Heiliges und wir feiern das nicht. Wir verbinden das immer mit irgendetwas Negativem. Wer alt wird, wird gebrechlich und so weiter. Das sind unsere Konditionierungen, und mich interessiert immer, die zu durchbrechen. Ich bin auf jeden Fall gelassen, aber auch tierisch aufgeregt. Ich steh auch manchmal vorm Spiegel und sag: okaaay... Aber das bestimmt nicht mein Leben. Die Zahl 50 bedeutet nichts.

Ein großes Thema auf Deinem Album ist die Liebe. Schreibst Du solche Songs vor allem in Gedanken an Deinen Lebensgefährten Philipp?

Nena: Ne, um Gottes Willen. So viel Aufmerksamkeit hat der nicht verdient (lacht). Es reicht schon, dass wir 24 Stunden täglich arbeiten, leben, lieben. Natürlich spielt er eine ganz wichtige Rolle. Aber alles spielt eine Rolle in meinem Leben. Es sind fünf Milliarden Bausteinchen, und die sind alle gut.

Heiraten ist nach wie vor kein Thema?

Nena: Das kommt immer drauf an: Ich habe neulich eine Gemeinschaft kennengelernt, die heiraten immer für ein Jahr und entscheiden sich dann wieder neu. Das finde ich total gut. Da könnte ich durchaus mitmachen. Aber für ein ganzes Leben? Ne, nicht so gern. Und schon gar nicht von Vater Staat abgesegnet.