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Köln: Nena. „Heute kann ich mein Leben viel mehr genießen”

Köln : Nena. „Heute kann ich mein Leben viel mehr genießen”

In Kürze feiert Nena ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum. In der Frankfurter Jahrhundeerthalle wird sie am 11. Oktober ihr Jubiläumskonzert geben. AZ-Mitarbeiter Jörg Sauer sprach mit Nena über ihre Karriere.

Wie würdest Du Deine Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren charakterisieren?

Nena: Ich hatte nie den Anspruch mich weiterzuentwickeln. Wenn man diesen Anspruch hat, verkrampft man unnötig. Meine Entwicklung hat was mit Gefühl und Spüren zu tun. Ich kann aber in jedem Fall sagen, dass sich mein Anspruch an die Qualität gesteigert hat.

Wie motivierst du dich nach so langer Zeit für deine Arbeit?

Nena: Ich brauche keine Motivation. Mein Job macht mir total Spaß. Das ist einfach mein Leben.

Wann hast du zum ersten Mal realisiert, dass du ein Star bist?

Nena: (lacht) Daran kann ich mich auch noch gut erinnern. Der Erfolg oder die Tatsache, dass ich ein Star bin, ist mir erst durch materielle Dinge bewusst geworden. Durch Dinge, die ich mir auf einmal leisten konnte. Und dadurch natürlich, dass mich die Leute erkannten.

Kannst du das an irgendeinem Zeitpunkt festmachen?

Nena: Ja, irgendwann 1984. Wir waren damals in Japan auf Tournee. Auf dem Flughafen und vor den Konzerthallen haben hunderte von japanischen Kindern auf mich gewartet und mich mit Schriftzügen begrüßt. Das war überwältigend.

Was bedeutet für dich Erfolg?

Nena: Erfolg? Da könnten wir jetzt lange drüber reden. Um es kurz zu machen: Erfolg bedeutet für mich, glücklich zu sein.

Wie hast du dich damals im Vergleich zu heute gefühlt?

Nena: Grundsätzlich war ich damals aufgeregter. Heute bin ich immer noch manchmal aufgeregt; oder stehe unter Hochspannung. Doch heute kann ich mein Leben viel besser genießen als früher.

Wie bist du zu deinem heutigen Beruf, also zur Musik, gekommen?

Nena: Das war total komisch. Ich war 18 Jahre alt und bin regelmäßig in Hagen in eine Discothek gegangen. Ich hatte mit Musik und Singen nicht übermäßig viel zu tun. Dort hat mich dann ein für mich damals unbekannter Typ angesprochen und mich gefragt, ob ich in seiner Band singen will. Diese Band hieß The Stripes. Das hat mir totalen Spaß gemacht. Ich habe gedacht, das könnte immer so weiter gehen. Dann bekam ich plötzlich ein Angebot über eine Zusammenarbeit in Berlin mit den „Spliffern” Reinhold Heil und Manfred Praeker. Daraufhin entstand die Band „Nena”.

Du warst der erste große Star der „Neue Deutschen Welle”. Was denkst du heute darüber?

Nena: Seit einigen Wochen habe ich meinen Frieden mit der Neuen Deutschen Welle (lacht). Ich habe mich selber nie als Teil dieser Bewegung gesehen. Doch wenn ich heute an meine beiden Spielfilme „Ich will Spaß” und „Der Unsichtbare” denke, na ja . . . Ich habe mittlerweile genügend Humor, um darüber lachen zu können.

Hast du noch Kontakt zu ehemaligen Kollegen? Zum Beispiel zu Markus, mit dem du deinen ersten Spielfilm gedreht hast?

Nena: Ja, klar! Zu Markus habe ich noch sehr guten Kontakt. Bei meinem Jubiläums-Konzert werde ich mit einigen guten alten Bekannten auftreten, unter anderem mit Kim Wilde, Stephan Remmler, Udo Lindenberg und Joachim Witt.

Vor kurzem hast mit Westbam die Single „Oldschool Baby” aufgenommen. Das ist ein sehr elektronisches Stück? Ist das nicht mutig?

Nena: Es hat Spaß gemacht, mit Westbam zu arbeiten. Aber mutig? Wir sind alle ständig mutig. Ich mag gute elektronische Musik.

Welche Musik hörst Du heute? Welche Bands fandest Du früher gut?

Nena: Ich habe angefangen mit den Rolling Stones. Dann Ramones, Pretenders und Pink Floyd. Heute finde ich Radiohead, Kula Shaker und Garbage ziemlich gut.

Wie beurteilst du das augenblicklich aktuelle 80er Revival? Bekommst du davon überhaupt etwas mit?

Nena: Ich merke es halt an steigenden Verkaufszahlen. Doch ich denke, dass gute Musik immer ihren Platz findet.