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Eschweiler: Neapels Müll kommt in Weisweiler an

Eschweiler : Neapels Müll kommt in Weisweiler an

Die Bilder brennender Abfallberge in den Straßen Neapels und der zeitweilig ausgerufene Müllnotstand gehören zwar inzwischen der Geschichte an, doch die Folgen sind jetzt für die Aachener Region konkreter als zuvor.

Denn nachdem NRW im Mai angeboten hatte, einen Teil des Abfalls zu entsorgen, rollt nun der erste Transport aus Italiens Süden an. Am Freitagnachmittag sollen die landesweit ersten Fuhren in der Müllverbrennungsanlage Weisweiler eintreffen. „Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand sollen als Auftakt fünf Lkw-Ladungen in unsere Anlage gebracht werden”, sagt MVA-Sprecher Michael Uhr mit Blick auf mögliche Verzögerungen. Schließlich sollten die ersten Ladungen bereits Mitte Juli zwischen Rhein und Ruhr ankommen.

Wie viel Tonnen insgesamt in Weisweiler angeliefert und verfeuert werden, konnte der Pressesprecher auch am Mittwoch nicht sagen. Uhr: „Wir wissen es einfach nicht.” Die MVA geht derweil von rund 15.000 Tonnen aus, wie deren Technischer Geschäftsführer Andreas Fries sagt. Genaue Zahlen erhofft man sich von der Bezirksregierung Köln und der zuständigen Entsorgerfirma Returo. Die Anlieferung werde sich jedenfalls über mehrere Wochen hinziehen.

Alltagsgeschäft

Eins steht jedenfalls fest: Bislang haben die Behörden die Genehmigung für die Entsorgung von 54.000 Tonnen Abfall in fünf MVAs - darunter auch Düsseldorf und Köln - erteilt. Für weitere rund 15.000 Tonnen, die in den Anlagen in Bonn, Leverkusen und Wuppertal verbrannt werden soll, steht diese noch aus. Bundesweit sollen insgesamt 160.000 Tonnen aus der Region Neapel verbrannt werden. Dabei betont ein Returo-Sprecher, dass die Mülllieferungen nach EU-Recht notifiziert und genehmigt seien.

Für die MVA Weisweiler sei die Beseitigung des italienischen Mülls „Alltagsgeschäft” betont Uhr: „Es ist egal, ob wir gemischten Hausmüll aus Neapel oder aus Eschweiler verbrennen. Wir sind in der Lage, mit jedwedem Müllgemisch umzugehen.”

Der Weg, den der Müll nach Weisweiler nimmt, ist indes recht umständlich. Zunächst sei der Müll vom italienischen Militär eingesammelt, zwischengelagert und schließlich nach Schadstoffen untersucht worden, erläutert Uhr. Anschließend würden die Abfallberge auf Züge umgeladen und auf die Reise über - beziehungsweise durch - die Alpen in Richtung NRW geschickt.

Zielort ist zunächst Köln-Kalk, „wo vorsorglich eine weitere, zusätzliche Strahlenmessung nach der bereits in Italien durchgeführten Erstkontrolle vorgenommen wird”, betont MVA-Chef Fries. Daraufhin fahren die Züge zur zentralen Umschlagstation nach Leverkusen, wo der Müll schließlich in speziellen Containern auf vier Räder umgeladen wird und unter anderem in den Müllbunker der Weisweiler Anlage verfrachtet wird.

Dabei betont Uhr, dass die ganze Transport- und Entsorgungsmaschinerie „eine einmalige Hilfsaktion für die italienische Regierung” sei. Und Fries stellt klar, dass der Müll aus der Region Kampanien keine zusätzliche Lieferung für die Weisweiler Anlage ist, sondern Teil eines fest vereinbarten Kontingents, das die MVA über ihre Muttergesellschaften beziehe. Will heißen: Es wird nicht mehr Müll verbrannt als zuvor geplant.

Fast 70.000 Tonnen werden in NRW verbrannt

Die Lieferung von Abfällen aus Neapel geht zurück auf ein Hilfeersuchen der italienischen Regierung an die Bundesrepublik. In einer bundesweit abgestimmten Hilfsaktion hat darauf hin auch die in Bonn und Leverkusen ansässige Firma Returo einen Vertrag mit dem Sonderkommissariat in Neapel für die Lieferung und Verwertung von Hausmüll abgeschlossen.

Es wurde angeboten, zeitlich eng befristet und unter klar definierten Bedingungen eine Gesamtkapazität von bis zu 69.500 Tonnen in den acht beteiligten Hausmüllverbrennungsanlagen des Landes zur Verfügung zu stellen.