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Schleiden: Nationalpark Eifel: Ernüchternde Bilanz

Schleiden : Nationalpark Eifel: Ernüchternde Bilanz

Es ist eine Frage der Interpretation, ob man den 2004 gegründeten Nationalpark Eifel als Erfolg betrachten möchte oder nicht, aber es zeichnet sich doch ab, dass der Nationalpark nicht der erhoffte Wirtschaftsfaktor für die strukturschwache Eifel ist.

Insbesondere kommunale Verwaltungsangestellte sind ja seinerzeit nicht müde geworden zu betonen, welch ungeheure wirtschaftlichen Chancen so ein Nationalpark biete, aber seit Donnerstag ist klar: Wenn der Nationalpark ein Erfolg ist, dann ein ökologischer - kein ökonomischer.

In Schleiden ist die zweite Nationalpark-Studie innerhalb von sieben Wochen vorgestellt worden, dieses Mal hat sich die Universität Würzburg in Gestalt von Geograph Hubert Job des Großschutzgebietes angenommen. Thema: Regionalökonomische Effekte des Tourismus´ in nationalen Naturlandschaften.

Der Nationalpark Eifel ist nur einer von mehreren untersuchten und noch zu untersuchenden. Und am Ende der Erhebung kam heraus, was bisher bei jeder Erhebung herausgekommen ist: Der Nationalpark Eifel lebt von Tagestouristen. Um als wirtschaftlicher Erfolg gelten zu können, bräuchte er aber mehr Übernachtungsgäste, die dann auch mehr Geld in der Region lassen: 47,80 Euro pro Tag, Tagestouristen nur zwölf.

Hubert Job sagt, dies hänge auch damit zusammen, dass der Park nah an einem Ballungszentrum liegt, das sich von Aachen bis ins Ruhrgebiet erstreckt, dieses Spezifikum weist kein anderer deutscher Nationalpark auf.

Das erklärt, warum von den 450.000 Menschen, die 2007 den Nationalpark Eifel besucht haben, nur 109.000 Übernachtungsgäste waren. Von diesen 450.000 sind allerdings nur 123.000 explizit wegen des Nationalparks gekommen, von denen wiederum haben nur 37.000 wenigstens einmal in der Region übernachtet.

Aus diesen und anderen vor Ort ermittelten Zahlen hat Job errechnet, dass der Nationalpark einen Bruttoumsatz von 2,8 Millionen Euro erwirtschaftet hat, was sich wiederum in 85 Vollzeitstellen umrechnen lässt.

Bedenkt man, welches großen personellen und finanziellen Aufwandes es bedurfte und bedarf, um den Nationalpark zu gründen und zu bestellen, nimmt sich diese Bilanz doch recht ernüchternd aus.

Zum Vergleich: Der 1990 gegründete Nationalpark Müritz sorgt für 261 Stellen, der 1978 gegründete in Berchtesgaden für 206.

Hubert Job geht nicht davon aus, dass sich die Zahl der Übernachtungsgäste auf mittlere Sicht erheblich steigern lässt. Allerdings ermutigt er die Nationalparkverwaltung, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen und Besuchern das Naturerlebnis Nationalpark möglichst anschaulich näherzubringen. Schließlich besteht der erste Nationalparkzweck im Naturschutz. Wenn der Park dann auch noch ein wirtschaftlicher Erfolg ist, ist das nur die Kür.