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Aachen: Musikfest mit glühenden Klangräumen

Aachen : Musikfest mit glühenden Klangräumen

Zwei magische Nächte, ein strahlender Morgen, erfüllt von Klängen in allen Schattierungen von Wagner bis zu orientalischen-rockigen Rhythmen, fröhlichen Melodien und wehmütig-lockender Klezmermusik - die erste Ausgabe der Kurpark Classix in Aachen ist ein Erfolg.

Als Element des Kultursommers hat das kleine Extrafestival, das Veranstalter Christian Mourad und sein Team in Zusammenarbeit mit der Stadt Aachen organisiert haben, einen Ort ins Blickfeld gerückt, der bisher noch kaum Beachtung fand: den schönen Kurpark neben dem Spielcasino.

Die Vision von Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch, von dem die Anregung zum Open-Air-Spektakel an dieser Stelle ausging, ist Realität geworden. Und sie soll es bleiben, denn es gibt bereits erste Überlegungen für das kommende Jahr. „Wir müssen allerdings offen sagen, dass wir noch mehr Zuschauer brauchen”, betont Mourad. „Wir sind zwar auf einem guten Weg, und die Infrastruktur hat funktioniert, aber wir hoffen, dass sich die Kurpark Classix noch stärker etablieren.”

1857 Zuschauer bei „A Night at the Opera”, 1560 Gäste bei „1001 Nacht - Klassik und Pop aus dem Orient” mit dem gefeierten persischen Gesangsstar Ebi, seiner Band und dem Sinfonieorchester Aachen unter Daniel Jakobi sowie 1200 große und kleine Musikfans beim klezmermusikalischen Märchen „Naftule und der König” sorgten zwar für eine großartige Stimmung - aber nicht unbedingt für klingende Kassen.

Dennoch: Mit drei Veranstaltungen ist es gelungen, drei musikalische Genres zu einem großen Klangbild zu vereinen, das in allen Farben schillerte. Den festlichen Auftakt bestritt - natürlich - Marcus R. Bosch mit seinem hoch motivierten und unermüdlich musizierenden Orchester. Mit den Gesangssolisten sowie dem Opernchor und Sinfonischen Chor bestritt man ein anspruchsvolles Programm, das zugleich dem naturnahen Ort huldigte. Ob nun Irina Popova die sehnsüchtige Arie „Silberner Mond” aus Dvoraks Oper „Rusalka” sang oder Bariton Martin Berner „O du mein holder Abendstern”, die Arie des Wolfram aus Wagners „Tannhäuser”, in den nachtblauen Himmel schickte. Einen Extraapplaus gab es für Lionel Lhotes temperamentvolle und mit viel Witz interpretierte Figaro-Arie aus Mozarts „Barbier von Sevilla”.

Mit kraftvollem Bass stand Woong-jo Choi als „Leporello” mit der berühmten „Register-Arie” aus Mozarts „Don Giovanni” auf der Bühne. Charmant und stimmschön Sopranistin Eva Bernard und Mezzosopranistin Iva Danova; stark in der Arie des Roberto aus Puccinis Oper „Le Vill” Tenor Ricardo Tamura.

Bosch hatte für eine elegante musikalische Mischung aus Arien, Ensembles und Orchesterstücken gesorgt, eingeleitet von Beethovens „Leonoren”-Ouvertüre. Grandios Opernchor und Sinfonischer Chor, die in einer Einstudierung von Frank Flade den Gefangenenchor aus „Nabucco” anrührend aufklingen ließen. Zum Schluss dann noch als brillante Zugaben das Trinklied aus „La Traviata” und die sinnliche „Barcarole” aus Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen”.

Für facettenreichen Übergang zur orientalischen Musik sorgte am nächsten Tag das Sinfonieorchester mit Rimski-Korsakows vielschichtigem und in seinen Motivreichtum kompliziertem Werk „Scheherazade op. 35” unter der sensiblen Stabführung des Ersten Kapellmeisters Daniel Jakobi.

Im zweiten Teil wurde auf der Bühne Platz geschaffen für jenen Star, der besonders von den persischen Gästen mit größter Euphorie gefeiert wurde: Ebi (Ebrahim Hamedi) und seine Band.

Zusammen mit dem Orchester gelang eine Symbiose der besonderen Art. Spezielle von Peter Lischewski geschaffene Arrangements sorgten für eine Verbindung der beiden Klangkörper, die selbst den weltberühmten Gesanggstar begeisterte. Als Einleitung gab es die Uraufführung einer orientalisch-modernen, fantasievollen Komposition von Takashi Bernhöft, Violinist im Orchester und zugleich aktives Mitglied in der Ebi-Band. Ihm ist es zu verdanken, dass der persische Sänger bei den Kurpark Classix auf ein überglückliches Publikum traf.

Der 58-Jährige Künstler, der mit seinen Songs nicht nur die Herzen seiner Landsleute erreicht, verbindet warme Ausstrahlung mit absoluter Hingabe und packender Rhythmik. Seine Songs sind Kult - die meisten wurden vom ersten Takt an textsicher von seinen Fans mitgesungen. Im Farbenwirbel der Lichttechnik, die bereits für die Operngala glanzvolle Räume gezaubert hatte, wurde der Abend mehr und mehr zum orientalischen Fest. Die Zuschauer drängten sich um die Bühne. Und als sich dann schließlich die Himmelsschleusen öffneten, verstärkte das noch die Atmosphäre von Intensität und Gemeinschaft.

Wurden bei Ebi die Regenhüllen verkauft, so gab es zum Abschluss am Sonntagvormittag Bilderbuchwetter. Helmut Eisel & Jem erzählten gemeinsam mit dem Sinfonieorchester und Solisten unter Daniel Jacobi die hübsche Geschichte „Naftule und der König”. Was ist besser? Die Musik der streng nach Noten spielenden Sinfoniker oder die pulsierend spontanen Klänge der Klezmer-Kollegen? In einer reizenden Handlung „verpackte” Komponist und Darsteller Eisel einen unterhaltenden Streifzug durch die Welt der Harmonien, auf dem er Kinder und Erwachsene gleichermaßen begleitete. Er sorgte damit für das „i”-Tüpfelchen eines gelungenen Kurpark-Classix-Wochenendes.