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„Neues Altes“ von den Kinks: Zwei Klassiker der Bandgeschichte in frischem Format

„Neues Altes“ von den Kinks : Zwei Klassiker der Bandgeschichte in frischem Format

Mit „Muswell Hillbillies“ und „Everybody’s In Show-Biz - Everybody’s A Star“ hat BMG zwei Klassiker der britischen Rockgruppe The Kinks in mehreren Formaten neu veröffentlicht.

Erfolge lassen sich nicht planen: Mit großen Erwartungen, einem entsprechenden Medienaufgebot und einer riesigen Promotionmaschine hat das Label „RCA Records“ 1971 und 1972 die beiden Kinks-Alben „Muswell Hillbillies“ und „Everybody’s In Show-Biz - Everybody’s A Star“ an den Start gebracht – mit (zunächst) bemerkenswert geringem kommerziellen Erfolg...

In Amerika krebsten die Alben am unteren Ende der Charts herum, in England – der Heimat der Kinks – fanden sie noch weniger Beachtung. Das Leben kann halt ungerecht sein. Denn vielen gilt vor allem die Hommage der beiden Davies-Brüder Ray und Dave an ihre Wurzeln – den Londoner Stadtteil Muswell Hill – als ein absolutes Highlight der langen Bandgeschichte. Auch gut 50 Jahre später ist eigentlich wenig verständlich, dass der kommerzielle Erfolg ausblieb. Vor allem, weil kurz zuvor der Megahit „Lola“ der Band einen ganz anderen Weg zu bereiten schien.

Mit „Muswell“ setzt Texter und Komponist Ray Davies dennoch ein absolutes Ausrufezeichen. Das Album markiert auch die Orientierung der Kinks weg vom europäischen Markt zu den großen amerikanischen Bühnen. Diese so typisch und originär britische Band fand dann auch jenseits des Atlantiks ein mega großes Live-Publikum. „Muswell“ schließt die britische Phase quasi ab.

Ray ist der Geschichtenerzähler, der Meister des Konzeptalbums. Nicht das Schielen auf die Charts, sondern das Spiegeln der ganz individuell interpretierten Realität steht im Vordergrund. Davies ist der „20th Century Man“, wie es der Opener auf „Muswell“ spüren lässt. Frust und Leidenschaft des Londoner Großstadtlebens stehen im Mittelpunkt der Songs. Die Kinks erleben den „Acute Schizophrenia Paranoia Blues“, besingen den „Alcohol“ – das Cover zeigt ein typisch britisches Pub – und die Tradition des Teetrinkens („Have A Cuppa Tea“), „Oklahoma U.S.A“ kommt wie ein Fingerzeig her, den Blick nach Amerika zu richten. Wie ein Abschied.

Ein Jahr später ist genau der vollzogen. Der American Way Of Life wartet. „Everybody’s In Show-Biz - Everybody’s A Star“ – so lautet das Versprechen, das so symbolträchtig in Hollywood seine beste Ausprägung findet. Es sind die „Celluloid Heroes“, die die Kinks besingen – und mit diesem Song ein zeitlos schönes, melodiöses und melancholisches Zeugnis ihrer unbändigen Kreativiät abliefern.

„Everybody’s In Show-Biz...“ wurde ursprünglich als Doppelalbum veröffentlicht. Die erste Scheibe mit Studioaufnahmen aus dem Sommer 1972, die zweite mit Konzertmitschnitten von März des gleichen Jahres aus der New Yorker Carnegie Hall.

Und warum kommt das jetzt alles noch einmal remastert und mit einigen wenigen Bonus-Tracks auf den Markt? Ganz einfach: Weil Sammler diese Editions lieben, der Markt dafür ist da. Für Deluxe-Boxen, LP- und schön aufgemachte CD-Versionen. Alles nicht so richtig neu, aber alles richtig schön. So einfach...