„La Grande-Duchesse de Gérolstein“: Was hat Offenbach mit dem „Hambi“ zu tun?

„La Grande-Duchesse de Gérolstein“ : Was hat Offenbach mit dem „Hambi“ zu tun?

Die Kölner Neuinszenierung der Opéra Bouffe „La Grande-Duchesse de Gérolstein“ krankt vor allem an der Regie.

Die Neuinszenierung von Jacques Offenbachs Opéra Bouffe „La Grande-Duchesse de Gérolstein“ im Deutzer Staatenhaus gehört zu den aufwändigsten Projekten im Mammutprogramm des Kölner Offenbach-Jahres. Um französischen Esprit zu sichern und sich aus der oft platten deutschen Offenbach-Rezeption lösen zu können, legte man die Leitung in französische Hände. Insgesamt mit enttäuschendem Erfolg.

Wie ein Divertissementchen

Das Regie- und Ausstattungs-Tandem Renaud Doucet und André Barbe lässt es zwar recht munter krachen und man geizt auch nicht mit unterhaltsamen Balletteinlagen, wie es sich für ein Pariser Musiktheater gehört. Der scharfzüngige, gleichwohl mit leichtem Florett ausgetragene Spott auf die leichtfertige Politik Napoléons III. plätschert allerdings harmlos wie ein Divertissementchen zur Karnevalszeit über die breite Bühne des Staatenhauses.

Der Einzige, der mit sicherem Gespür alles hören und spüren ließ, was Offenbach an Pepp, Sensibilität und kompositorischem Raffinement zu bieten hat, ist Generalmusikdirektor François-Xavier Roth am Pult des vorzüglich aufspielenden Gürzenich-Orchesters. Mit einem duftigen, oft Mozart nicht nachstehenden delikaten Orchesterklang und frischem, federndem, nie forciertem Drive liefert er eine ideale Vorlage für eine angemessene Offenbach-Produktion. Eine Steilvorlage, die freilich nicht genutzt wird.

Auch nicht von dem Gesangsensemble, aus bei der Premiere dem neben einigen kleineren Rollen einzig das junge Liebespaar Fritz und Wanda mit Dino Lüthy und Emily Hindrichs vollauf überzeugen können. Immerhin sorgt der Chor der Kölner Oper für manchen effektvollen Höhepunkt.

Erstaunlich, dass die Regisseure das Entstehungsdatum 1867 im Programmheft als völlig irrelevant abtun. Immerhin rechnet hier Offenbach mit der leichtfertigen Politik Napoléons III. ab, die auf einen aussichtslosen Krieg mit Preußen zusteuerte, der Frankreich drei Jahre später auch eine katastrophale und folgenschwere Niederlage bescheren sollte. Und um was anderes geht es in dem Stück, wenn die Politiker des fiktiven Staates Gérolstein ihrer Großherzogin einen Krieg aufschwatzen, damit sie nicht aus reiner Langeweile auf die Idee kommen könnte, sich ins politische Tagesgeschäft einzumischen?

Es scheint, dass die französischen Gäste eher deutsche Erwartungshaltungen befriedigen wollten als ihren französischen Traditionen zu vertrauen. Kurzum verlegte man das Kriegs-Szenario in die heutigen Konflikte um den Hambacher Forst, ins „Hambi“, was das Thema deutlich verharmlost und immer wieder in Konflikt mit dem Libretto bringt. Die Großherzogin als Kapitalistin möchte sich einen ökologischen Anstrich geben und ziert ihr Unternehmen mit einem „Frosch“. Soldaten werden hier zu Demonstranten, Kriegstreiber zu RWE-Bossen. Ein Konzept, das hinkt und auch nicht durchgehalten werden kann. Im zweiten und dritten Akt befindet man sich bereits in Dekor des zweiten Kaiserreichs und der ökologische Impuls beschränkt sich nur noch auf eine repräsentative goldene Frosch-Statue. Die Nebenhandlungen inszeniert das Team durchaus fantasievoll, der Chor ist in immer in Bewegung, die zahlreichen Balletteinlagen sorgen für Abwechslung. Die Aufführungsdauer von fast vier Stunden können allerdings nicht einmal Offenbachs Musik und Roths grandioses Dirigat ohne Spannungseinbrüche überstehen.

Insgesamt eine äußerlich aufwändige, aber stilistisch harmlose Produktion. Einzig François-Xavier Roth zeigt sich Offenbach ebenbürtig. Das Publikum reagierte mit heftigem, aber kurzem Beifall auf die lange Premiere, in den sich vereinzelte Buh-Rufe gegen das szenische Team verirrten.

Die nächsten Aufführungen im Staatenhaus Deutz: am 12., 20., 23. und 26. Juni sowie am 4., 7., 10 und 12. Juli Infos und Karten: Tellefon 0221/221 28400, www.oper.koeln.de).

Auch im Theater Aachen feiert man Offenbach mit einer Inszenierung der Operette. Sie ist noch am 22. und 27. Juni zu sehen. Karten gibt es beim Kundenservice des Medienhauses Aachen.

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