1. Kultur
  2. Musik

Tom Gaebel sucht einen Gesangsgast aus der Region

Voller Gefühl, aber formvollendet : Tom Gaebel sucht Gesangsgast aus der Region

Alle Jahre wieder: Tom Gaebel liebt Weihnachten und ist mit seinem „A Swinging Christmas“-Programm unterwegs. Nach Alsdorf kommt er auch und sucht noch einen Gesangsgast aus der Region.

Die Weihnachtszeit bietet dem Sänger, Entertainer und Bandleader Tom Gaebel kaum Momente des Müßiggangs. Alle Jahre wieder ist der smarte 44-Jährige in den Wochen vor dem Fest mit seinem „A Swinging Christmas“-Programm unterwegs. Und bevor er im Rahmen dieser speziellen Konzertreise am 8. Dezember auch in die Alsdorfer Stadthalle einlädt, muss er sich erstmal körperlich in Form bringen. Gerade aus Moskau heimgekehrt, wo er mit seiner Band ein Galakonzert gab, brachte Gaebel just vor dem Gespräch ein paar Trainingseinheiten hinter sich.

Der stets elegant gekleidete Mann ist in Jogginghose eigentlich gar nicht vorstellbar. „Aber genauso sieht‘s im Moment aus“, sagt Gaebel. Er leiste sich gerade einen Personal Trainer, um sich auf seine Weihnachtstour vorzubereiten, führt er aus. Während der sitze er nämlich mitunter den ganzen Tag lang im Auto, um die Republik im Zickzackmuster zu durchqueren, bevor es zum Soundcheck und schließlich auf die Bühne gehe. „Dazwischen wird ständig irgendwas gegessen, Fans beschenken einen obendrein freundlicherweise mit Plätzchen, von denen man natürlich auch nascht. Es ist, kurzum, ein einziges, schönes Elend, weil eine solche Tour enorm Kraft kostet. Und um fit zu sein, wenn es losgeht, hole ich gerade alles aus meinen Knochen heraus, mit meinem Trainer, den ich zärtlich ‚die Peitsche‘ nenne“, lächelt er mokant.

Auf die Bühne muss ihn freilich keiner peitschen, die betritt er seit jeher überaus gerne. Das Unterhalter-Gen liege vermutlich in seiner DNA begründet, mutmaßt er. Während er sich bereits in seiner Jugend ernsthaft mit Musik beschäftigte und jahrelang Geigenunterricht nahm, wuchs in ihm gleichzeitig die Lust, den Bühnen-Zampano zu geben.

Einerseits spielte er als Autodidakt an Posaune und Schlagzeug in seriösen Jazz-Bands, andererseits betrieb er gemeinsam mit einem seiner Brüder eine Rockband, die sich selbst nicht allzu ernst nahm. In der konnte er buchstäblich „die Rampensau rauslassen“, wie er vorgibt.

Während er 1998 mit dem Jugend Jazz Orchester NRW durch China tourte, wurde ihm bewusst, dass ihm etwas fehlte, wenn er als Posaunist in der vorletzten Orchesterreihe saß. Er wollte nach vorne, singen, mit dem Publikum scherzen, den Entertainer geben. Ein Musikstudium im niederländischen Hilversum, das er im Hauptfach Jazzgesang mit einem Diplom beendete, trug zum Erfüllen seines Wunschs bei. Bereits 2001 stand er dem Bundesjugendjazzorchester als Stimme vor. Von diesem Moment an war es nicht mehr weit bis zur Gründung seiner eigenen Band. 2005 erschien sein Album „Introducing: Myself“.

Mit Witz, Charme und Stimme

Gaebels Band spielt Unterhaltungsmusik, eine Mischung aus Swing-Jazz, dem groß orchestrierten Hollywood-Sound der 1950er Jahre und gut ins Ohr gehenden, leichten Improvisationen. Und das auf allerhöchstem Niveau! Dabei ist die musikalische Gestaltung seiner Auftritte nur ein Teil des Reizes, der seine Konzerte ausmacht. Mit eingestreuten, launigen Bemerkungen, Witz, Charme und eben dieser kräftigen, mit Schmelz versehenen Stimme, verführt er in seine Variante des „Easy Listening“, dem sich schon Frank Sinatra, Dean Martin und all die anderen amerikanischen Schnulzensänger der Swingpop-Ära verpflichtet fühlten. Deren persönliche Brüche und charakterliche Untiefen sind Gaebel zwar wohlbekannt, jedoch sucht man sie in seiner eigenen Biografie vergebens.

Er sei wohlbehütet, vergleichsweise harmlos im Kleinstädtischen aufgewachsen, sagt er. Das habe ihn geprägt: „Ich möchte nicht auf der Bühne das Lebensgefühl der großen Sinatra- und Dean-Martin-Zeit nachspielen“, meint er. „Die Herren von damals haben ja auch nichts gespielt, die waren so. Aber heute, 60, 70 Jahre später so zu tun, als ob man so cool sei wie die, fände ich aufgesetzt-plakativ. Ich bin lieber ich.“

Spielend um den Finger wickeln

In der Selbsttreue liegt aber zumindest eine Parallele zwischen ihm und den beiden großen Sängern des letzten Jahrhunderts. Auch Gaebel trägt die ewig jungenhafte Seite, das Charmant-Ungestüme in sich, mit dem er Zuschauer nicht spielend leicht nicht um den kleinen Finger wickeln kann. Er macht sich auch wunderbar als Projektionsfläche für Sehnsüchte. In jeder Hinsicht. Natürlich wäre jeder gerne so eloquent wie er. Einen „eitlen Pfau“  will er sich aber nicht schimpfen lassen.

Nach den Auftritten sei es aber regelmäßig genug mit dem Wunsch, im Mittelpunkt zu stehen, erzählt er. Dann möchte er lieber einer von den Jungs aus seiner Band sein, oder, wenn er nicht allzu weit von seinem Wohnort Köln entfernt weilt, heimfahren zu seiner Frau. Daheim bei Gaebels sieht es übrigens ähnlich aus, wie es sein immer adrettes Äußeres vorgibt. Er hat eine Vorliebe für Kleidung, die selbst in der sportlichen Variante so aussieht, als ob sie direkt aus dem fein gepflegten Fundus eines Mannes stammt, der vor 60 Jahren jung war. Den Nierentisch findet man beim privaten Gaebel zwar nicht, aber ein paar Möbel der 60er Jahre hübschen seine Gemächer, neben dem obligatorischen Vinyl-Plattenspieler, auf.

„Mit gefällt die Designsprache dieser Zeit“, beschreibt er sein ästhetisches Empfinden. „Aber ich bin ganz bestimmt keiner, der behaupten würde, dass früher alles besser war. Mir gefallen, ganz im Gegenteil, die Annehmlichkeiten der modernen Welt ausgesprochen gut. Wo und in welcher Zeit hätte man besser leben können als hier und jetzt? Vor 80 Jahren herrschte hier Krieg, und es gibt leider auch jetzt noch Gegenden auf der Erde, in denen Menschen unter höllischen Bedingungen leben. Die Moderne zu verteufeln, halte ich angesichts dessen für geradezu unverschämt hochnäsig.“

Dennoch ist klassisch das Attribut, mit dem sich Gaebels Charakter treffsicher beschreiben lässt. Dazu zählt unbedingt auch der Respekt, mit dem er nicht nur der Musik, sondern auch dem Leben, seinem Publikum, und sogar seinen Gesprächspartnern begegnet. Das ewige Du, mit dem im unverbindlichen Showgeschäft geradezu grotesk Nähe suggeriert wird, meidet Gaebel. Aus Höflichkeit, aber auch, um eine gewisse Distanz zu wahren. Weniger einladend wirkt er deshalb nicht. Eher wie einer, der die Form der Begegnung wahrt. Ebenso formvollendet wie er singt, komponiert und arrangiert. Auch während seiner bevorstehenden „A Swinging Christmas“-Konzerte.

Er trage seit seiner Kindheit ein spezielles Weihnachtsgefühl in sich, konstatiert er. Für ihn sei Weihnachten sehr stark mit der Familie und Freunden verbunden, weil es ein Fest der Freundlichkeit, der Liebe und der Menschlichkeit sei. Traditionelle Weihnachtslieder werden bei Gaebels daheim aber nicht mehr gesungen. „Das haben wir irgendwann abgeschafft, was ich als Jugendlicher gut fand“, resümiert er.

„Als Kinder mussten meine Brüder und ich immer Hauskonzerte für unsere beiden Omas spielen, die das auch ganz toll fanden. Mir wurde es aber irgendwann lästig, Jahr für Jahr die gleichen Lieder an der Geige vorzutragen. Inzwischen finde ich es schade, dass wir die Tradition nicht mehr leben. Wenn ich mal Kinder haben werde, was ich hoffe, möchte ich diesen Brauch unbedingt wiederaufleben lassen. Heute kommen wir einfach in unserer Heimatstadt Ibbenbüren zusammen, quatschen, essen, trinken, und lassen es uns gutgehen, um die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen.“

Zum gemeinsamen Singen kommt er trotzdem. Während seiner bevorstehenden Weihnachtskonzerte. „Wir werden viel mit dem Publikum singen“, kündigt er an. „Weil das Gemeinsame für mich einfach zu Weihnachten gehört.“

Konsequenterweise lädt er dazu pro Stadt auch eine Zuschauerin oder einen Zuschauer ein, um mit ihr oder ihm gemeinsam „Strangers In The Night“ auf der Bühne zu singen. Dazu trifft er, um peinliche Situationen zu vermeiden, eine Vorauswahl. Bewerben kann man sich über seine Website (siehe Infobox). Der oder dem Auserkorenen winken zwei Freikarten für das Konzert in Alsdorf.

Und welches ist sein liebstes Weihnachtslied? „Schwierig“, antwortet Tom Gaebel. „Wenn ich mich auf eins beschränken müsste, würde ich ‚White Christmas‘ wählen. Es geht mir richtig ans Herz, dieses Stück zusammen mit dem Publikum zu singen. Dabei bestaune ich dann den speziellen Glanz der Weihnachtszeit mit ein paar Hundert anderen Menschen. Das ist ein wahnsinnig schönes Gefühl.“