Theater Aachen: Suzanne Jerosme schließt Studium mit Liederabend ab

Theater Aachen : Gesangliche Spitzenbegabung, die Hoffnung macht auf mehr

Die junge französische Sopranistin Suzanne Jerosme ist seit 2017 Ensemblemitglied am Theater Aachen. Innerhalb kürzester Zeit hat sie sich zu einer festen Stütze entwickelt. Dabei hat sie jetzt erst ihre Studien abgeschlossen - mit einem bemerkenswerten Liederabend.

Dass Gesangstalente schon während ihres Studiums erste Erfahrungen an professionellen Opernbühnen sammeln, ist nicht ungewöhnlich. Das rasante Tempo, in dem sich die französische Sopranistin Suzanne Jerosme innerhalb kürzester Zeit zu einer festen Stütze des Aachener Ensembles entwickelt hat, schon eher. Ihre grandiosen Leistungen in Hauptrollen der „Dialogues des Carmélites“ von Francis Poulenc und Händels „Il trionfo del Tempo e del Disinganno“ ließen vergessen, dass sie sich noch bis vorgestern in der Ausbildung befand.

Offiziell schloss sie ihr Studium an der Kölner Musikhochschule erst jetzt mit einem Liederabend im gut besuchten Spiegelfoyer des Theaters ab, der der Sängerin andere Herausforderungen abverlangte als ein Opernabend.

Deutsches Repertoire von Schubert und Schumann sowie französische Gesänge von Debussy, Ravel und Joseph Canteloube prägten ein zweigeteiltes Programm mit unterschiedlichen Ansprüchen. Wie sicher sich die Sängerin auf dem französischen Terrain bewegt, hat sie bereits in einem Stipendiatenkonzert vor drei Jahren bewiesen. Ihre sich damals abzeichnenden Qualitäten finden sich heute bestätigt: Ihre Stimme und ihr Musikverständnis scheinen für die ausgewählten französischen Gesänge wie geschaffen.

Sie verfügt über einen hellen, leichten, dennoch substanzreichen und tragfähigen Sopran mit mühelos ansprechenden Höhen. Eine Stimme mit einem individuell gefärbten Timbre von kristalliner Reinheit. Gewachsen ist noch die Intensität, mit der sie den meist zarten, klanglich transparenten Gesängen emotionale Energie verleiht.

Mit Robert Schumanns Liederkreis op. 39 nach Gedichten von Joseph von Eichendorff, der den Hauptteil des deutschen Programms bestimmte, wagte sich die Sängerin an eine Herkulesaufgabe, die, trotz einiger Ausnahmen, in den vergangenen Jahrzehnten als Männerdomäne galt. Ein überholtes Vorurteil. Wenn die Interpretation von Suzanne Jerosme einige Fragen aufwirft, ist der Grund allein in den immensen gesanglichen und gestalterischen Anforderungen zu suchen und nicht in geschlechtsspezifischen Klischees. Gewiss gibt es Lieder, denen eine dunklere Stimme noch größere atmosphärische Dichte verleihen könnte. Etwa die berühmte „Mondnacht“, die Jerosme in einer sehr hohen, unbequemen Lage vortrug. Die luziden Gesangsbögen im „Zwielicht“ müssten noch runder und nahtloser ausgeführt werden.

Und das als Dialog angelegte „Waldesgespräch“ erfordert eine stärkere farbliche und dynamische Abgrenzung der beiden fiktiven Gesprächspartner. Wobei Ulrich Eisenlohr am Klavier ausgerechnet bei diesem Lied mit seinem sehr robusten Zugriff die schwierige Aufgabe der Sängerin nicht erleichterte. Schade, denn sonst empfahl sich Eisenlohr als kompetenter und verständnisvoller Partner.

Insgesamt beachtliche Interpretationen, die noch eine Menge an Feinarbeit vertragen können. Das Publikum reagierte begeistert auf hörenswerte Leistungen einer hoffnungsvollen Spitzenbegabung.

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