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The BossHoss: Neues Album "Black Is Beautiful"

The BossHoss setzen auf Schwarz : Ein Hoch auf die Vorzüge der Nacht

„Black Is Beautiful“ heißt das neue Album von The BossHoss. Moderne Popmusik ist den Herren oftmals zu steril und zu glatt. Deshalb sind sie in ihren neuen Songs auf etwas mehr Unberechenbarkeit aus.

Das neue Album „Black Is Beautiful“ von The BossHoss beginnt mit einer kleinen Klangcollage. Wie in der Hörfassung eines Krimis sind gedämpfte Straßengeräusche vernehmbar, die ein nächtliches Szenario suggerieren. Schritte sind zu hören, bevor ein metallener Ton in einen zuckenden Rock‘n‘Roll-Puls übergeht. Der wird von reichlich Gitarren flankiert, die muskulös jaulen, obwohl sie eigentlich aus der Surf-Ecke stammen. Obendrein wird noch ein Orgel-Ton bemüht, dessen 60er-Referenz eine weitere Klang-Facette ins Spiel bringt.

Allein die Instrumentierung unterstreicht gleich zu Beginn der Platte, dass die Band ihren typischen Sound um ein paar Elemente erweitert hat. Zeugten Rock, Country, Blues und Pop-Anleihen immer schon vom Stil-Pool, den The BossHoss für sich reklamierten, bringen sie diesmal größere Widersprüche unter ihre Cowboy-Hüte.

Auch inhaltlich geben die beiden Hauptprotagonisten der Truppe im ersten Stück die Losung aus, der das ganze Album folgt. „Mit Sonnenaufgängen habe ich’s nicht mehr so, ich bleibe lieber im Dunkeln, denn Schwarz ist herrlich“, singen Alec „Boss Burns“ Völkel und Sascha „Hoss Power“ Vollmer im Titelstück. Natürlich mit dem Twang des King of Rock’n’Roll in den Stimmen. Und selbstverständlich auf Englisch.

Es geht um die Vorzüge der Nacht auf „Black Is Beautiful“, um die auf- und anregenden Stunden zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. „Die größten Abenteuer passieren in der Nacht“, sagt Völkel. „Das Schwarz der Nacht ist der Inbegriff von Freiheit und Grenzenlosigkeit. Und es steht für alles Verbotene, das die Fantasie anregt. Sascha und ich sind Nachtmenschen.“

Ob so viel Nacht-Lob ist es nur logisch, dass das Gros der neuen Stücke geschrieben wurde, während es draußen dunkel war. Und diesen Mitternachts-Geist hört man den Stücken auch an, finden die beiden BossHoss-Macher. Klar, das Dunkle stand immer schon für Rebellion, für Rock’n’Roll, der immer auch ein wenig Aroma ins ewig reinliche Pop-Gemenge brachte.

Diesen Gedanken nutzt Vollmer dann auch prompt, um eine Breitseite gegen die Pop-Auffassung der Moderne loszuwerden. „Heutzutage bekommt man überall nur sterile und glattgebügelte Popmusik zu hören“, meint er. „Uns fehlt darin klar der Kick, die Unberechenbarkeit, die Gefahr. Wir haben schon immer die Rock’n’Roll-Flagge hochgehalten. Aber noch nie so hoch wie mit dieser Platte.“

Höchst unterschiedliche Taten

Hehre Worte. Denen lässt die vor allem auf der Bühne mit sieben Mann auftretende Truppe höchst unterschiedliche Taten folgen. Während „Ayo“ eher ein bisschen vorhersehbar folkrockig vor sich hin stampft, holt die R’n’B-Nummer „She“ das Geschehen für einen Moment aus dem bisweilen arg dick aufgetragenen Maskulinen. Überraschend bahnt sich Neo-Soul in „Little Help“ seinen Weg und greift gleich noch hüftschwingend alte 60er-Soundschnipsel auf, die schon Motown-Platten zu Popjuwelen schliffen.

Im Country-Shuffle „Good Deed“ dreht sich alles um den Sinn des Lebens, für den der Filmmacher Gus van Zandt zu mysteriös klingenden Western-Sounds zitiert wird. Zwischen Punkrock und Bluesrock schlängelt sich „Cook It Up“ entlang, zu dem The BossHoss prominenten Besuch im Studio erhielten. Der amerikanische Bluesrocker Seasick Steve hatte über seinen Tourbus-Fahrer von der Band aus Berlin erfahren und ließ es sich nicht nehmen, mit seinen legendären ein- und dreisaitigen Gitarren aufzuschlagen.

„In Your Face“ entführt die Nachtgestalten schließlich aus den verrauchten Szene-Clubs auf einen großen Freiluftplatz. Auf dem geben The BossHoss ihre Gedanken zum Zeitgeschehen in hymnischer Country-Rock-Manier preis. „Die Menschheit hat momentan an allen Ecken mit den verschiedensten Herausforderungen zu kämpfen“, sagt Völkel. „Wir müssen uns dringend Gedanken über den Umgang miteinander und mit diesem Planeten machen. Man kann alles schaffen, aber jeder Einzelne muss irgendwann auch den ersten Schritt wagen. Darüber singen wir in dem Song.“

Doch oft die Radiotauglichkeit

Ob irgendwer von The BossHoss Appelle zur Weltrettung braucht, liegt freilich im Auge des Betrachters. Die Band engagiert sich zwar für das Sage-Kinderkrankenhaus im senegalesischen Warang und setzt sich auch für das Grundrecht auf Bildung und Alphabetisierung hierzulande ein. Aber eigentlich stehen The BossHoss eher für partygeeignete Country-Wendungen statt für Ernsthaftigkeit. Die muss man ihnen natürlich nicht zwangsläufig absprechen.

Ihren Anspruch, die Flagge des Rock’n’Roll hochzuhalten, ziehen sie auf „Black Is Beautiful“ dennoch nicht stringent durch. Immer wieder konzentrieren sie sich, vor allem in den Refrains, eben doch allzu offensichtlich auf die Radiotauglichkeit ihrer neuen Stücke. Und die klingen dann paradoxerweise vielmehr nach Tageslicht statt nach dem Dunkel der Nacht.

Vielleicht ist es am Ende des Tages doch vor allem die Cowboy-Idylle, die The BossHoss auch auf ihrem neuen Album feiern. Das Ruchbare der Gesetzlosen, die Vogelfreiheit der Geächteten entsprechen dem Geiste des Rock‘n‘Roll natürlich. Derlei Attribute gehören heutzutage nur leider genauso zum faden Beiwerk ausgeklügelter Marketingpläne wie die zahllosen Tattoos, mit denen sich geschmückt wird. Auch bei The BossHoss.