Kulturfestival X: Sphärische Sounds und viel Poesie

Kulturfestival X : Sphärische Sounds und viel Poesie

Der Songwriter Maxim macht Musik, die der Zuhörer nicht so schnell vergisst, unabhängig davon, ob er oder sie Fan seines Stils oder nicht. In Alsdorf sorgte er für einen nachdenklichen Abschluss des Kulturfestivals X.

Wenn der in Siegburg geborene Musiker zur Gitarre – egal, ob elektronisch oder akustisch – greift, dann erklingen sphärische Sounds, die aus einer anderen Welt stammen könnten. Dazu kommen Texte, die schwermütig, wehmütig, traurig und nachdenklich sind und tief in die Seele eindringen können. Es sind Zeilen wie „Geht nichts mehr, alles ausgefüllt, so perfekt, dass es sich selbst zerstört“, die Maxim und seine Musik ausmachen. Sein Konzert war die Abschlussveranstaltung des diesjährigen Kulturfestival X der Städteregion Aachen, und die Fördermaschinenhalle in Alsdorf war am Sonntag fast bis auf den letzten Platz besetzt.

Mit seinem Lied „Von Nichts“ eröffnete er den Abend und sang nicht nur davon, „zurück zum Nichts“ zu gehen, sondern auch, dass „wir doch eigentlich ganz schön gelungen“ seien. Seine Lieder gehen die schwierigen Phasen des Leben an. „Wir rotieren in ‘ner endlosen Schleife“, singt er in „Alles Versucht“, das von dem Ende einer schwierigen Beziehung handelt und verarbeitet in „Mehr Sein“ das Thema Depressionen. „Wenn wir über diese Türen spring‘n, muss da doch mehr sein“, heißt es im Refrain.

Er beschreibt mit der Musik und dem Text die Symptome der Depression, versteckt diese aber gekonnt hinter Wortbildern: „Und du redest so, als wär‘ die Nacht noch jung, obwohl du Mittags schon todmüde bist.“ Philosophische Gedanken über das, was uns Menschen ausmacht, aber auch über Vergebung und Sühne, über Parallelen und Charakterzüge, macht er sich in „Alles ist ein Remix.“

„Rückspiegel“

Begleitet wurde Maxim an diesem Abend von Philip Breidenbach, einem in Aachen geborenen und heute in Köln lebenden Gitarristen. „Trios gibt es oft, Duos gibt es nie“, meinte Maxim, auch wenn das natürlich nicht ganz korrekt ist. Maxims Songs sind nicht fröhlich, keine reine Wohlfühlmusik, bei der man lachen kann, sie sind aber auch nicht nur traurig und hoffnungslos. „Rückspiegel“, ist der Titel des Songs. Es handelt vom Glück und davon, wie oft wir das Glück, dass direkt am Straßenrand steht und eigentlich mitgenommen werden will, erst viel zu spät sehen.
Maxim spielt mit Rhythmen und weiß, wie er sie einsetzten muss, um die richtige Stimmung und das richtige Gefühl beim Publikum auszulösen. Klare Bässe und der gut strukturierte Beat sorgten bei „Meine Worte“ für den richtigen Schwermut, gepaart mit einer tiefen Einsicht über die eigenen Fehler, handelte der Song doch vom Fremdgehen.

Nach der Pause griff Maxim dann tief in die Kiste der Lieder, mit denen er bekannt geworden ist. In „Autsch“ spielt er wieder mit den Rhythmen, setzt mit punktgenauen Sounds Höhepunkte und sorgt mit dem anspruchsvollen Text dafür, dass sein Song in keiner einzigen Sekunde belanglos klingt.

Maxims Musik hört man nicht nebenbei, nicht, ohne mitdenken zu wollen. Der Zuhörer wird fast dazu gezwungen, dem Sog seiner Songs nachzugeben und dem Grund für die Eigenarten seiner Musik nachzuspüren. Ob über Schnelllebigkeit und falsche Vorstellungen, umhüllt von verfremdeten Reggae-Klängen („Hype“) oder das Vergessen-Dürfen, eingehüllt in die Geräusche des Windes mit dumpfen, düsteren Bass-Beats („Amnesie“): Bei Maxim geht es um die großen Themen der Welt, eingebettet in große Poesie.

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