Kammerchor und S:t Jacobs Vokalensemble: Schillernde Stimmungswechsel

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Der Mittsommer, das schönste Fest der Skandinavier, stand im Mittelpunkt eindrucksvoller Auftritte des Aachener Kammerchors und des S:t Jacobs Vokalensembles aus Stockholm im Rahmen der Chorbiennale Aachen in der voll besetzten Kirche St. Nikolaus.

Beide Chöre widmeten sich dem Thema mit anspruchsvollen Gesängen nordischer Komponisten. Was Intonationsreinheit, Stilsicherheit und klangliche Homogenität angeht, standen sich beide Chöre dabei in nichts nach. Eine zusätzliche individuelle Note steuerte der international renommierte Stockholmer Chor durch die Ausformung besonders differenzierter Klangschattierungen bei, mit denen die unterschiedlich beleuchteten Stimmungen der überwiegend ruhigen, oft um Licht und Dunkel kreisenden Gesänge präzise getroffen wurden.

Ein wenig irritierte die durchweg ernste, bisweilen schwermütige Stimmung der Stücke. Angesichts eines Freudenfests wie dem Mittsommer hätte man fröhlichere Töne erwarten können, die sich an diesem Abend nur selten einstellten. Umso beeindruckender, mit welcher stilistischen Vielfalt die Komponisten das Ereignis aus dem Zustand introvertierter Stille heraus reflektieren und den Chören ein gewaltiges Reservoir an Gesangstechniken abverlangen.

Wie aus der Zeit gefallen

Dabei schimmern auch immer wieder religiöse Botschaften durch – als Dankgebet, als Bitte oder als Anreiz zu ritueller Meditation. Diese Aspekte bestimmten beim Aachener Kammerchor unter Leitung von Martin te Laak auch die Werke der beiden bekanntesten Komponisten. Etwa im „Psalm 77“ des norwegischen Altmeisters Knut Nystedt durch seine Vielfalt vom gesprochenen Wort über choralartige Ruhe bis zum
ekstatischen Aufschrei. Ganz in sich gekehrt, wie aus der Zeit gefallen, entwickelt der Lette Peteris Vasks seine Vertonung schlichter Friedensbotschaften von Mutter Teresa zu zarten, glockenähnlichen Klängen des Klaviers.

Mit seinen vorbildlich ausgeführten Vorträgen bereitete der Aachener Kammerchor seinen von Mikael Wedar geleiteten schwedischen Gästen den Boden, um sich in einem ähnlichen stilistischen Umfeld artikulieren zu können. Und die gingen mit dem groß angelegten Chorstück „Trees“ des schwedischen Nestors Lars Johan Werle noch einen Schritt weiter. Chor und Solo-Einlagen sind hier mit schillernden Stimmungswechseln kombiniert, die das Stück zu einer stattlichen Kantate anwachsen lassen. Schade, dass einem der schwedische Text verschlossen blieb.

Den friedlichen Charakter der stimmungsvollen Stücke fing der Stockholmer Chor auf hohem Niveau ein, gipfelnd etwa in einer Romanze aus Ingvar Lidholms Oper „Ein Traumspiel“. Begeisterter Beifall für alle Beteiligten, die sich zum Abschluss zu gemeinsamen Vorträgen von Josef Rheinbergers „Abendlied“ und Oskar Lindbergs „Pingst“ zusammenfanden.

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