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Netzschau zum Eurovision Song Contest : Von großer Freude bis zu „Germany, I’m sorry, zero points“

Was für ein Abend! Große Freude gefolgt von emotionalen Abstürzen, nachdenklichen Balladen, tanzbaren Hits und einer fliegenden Elsa. Hat mindestens genau so viele Punkte wie das deutsche Duo S!sters vom Publikum verdient: Unsere Netzschau zum Eurovision 2019.

Eins gleich vorweg für alle Menschen, die den Eurovision Song Contest noch nie geschaut haben: Bei dem Wettbewerb treten alle europäischen Länder mit ihren „besten“ Sängerinnen und Sängern gegeneinander an. Ach, und Australien natürlich. Weil... Australien halt dazu gehört. So vom Herzen her. Diese nützliche Karte zeigt auch gleich, wie Europa für einen Abend im Jahr aussieht.

Aber immerhin haben die Australier den Eurovision inzwischen verstanden: Es geht eben nicht nur darum, gut zu singen, sondern auch die Show muss bei den Zuschauern ankommen. Operette singend im opulenten Kleid auf einer fünf-Meter-hohen Stange über die Bühne zu fliegen, als gäbe es keine Schwerkraft mehr, hatte dann schon den gewissen ESC-Flair. Den passenden Vergleich mit Elsa aus dem Disney-Film „Die Eiskönigin“ und Glinda aus dem Musical „Wicked“ gab es dann auch direkt im Netz.

Die Sängerin Kate Miller-Heidke landete aber dennoch nur auf Platz neun. Besser schnitt da Sergey Lazarev ab, der für Russland mit dem Lied „Scream“ aufgetreten ist und die Bronzemedaille bekam. Und das, obwohl das Bühnenbild eher an eine Duschkabine als an Eurovision erinnerte.

Der Publikumsliebling des Abends kam aus Norwegen: KEiiNO mit „Spirit in the Sky“. Mit 239 Punkten vom Publikum und damit die höchste Punktzahl erreichten die Skandinavier aber dennoch nur den fünften Platz in der Endauswertung. Die Jury hat mit nur 47 Punkten den Sieg noch verhindert.

Richtig emotional wurde es dann bei dem Auftritt aus dem Gastgeberland Israel – oder eher danach: Kobi Marimi gab mit der Ballade „Home“ alles und doch war er anschließend wohl einer der wenigen Menschen, die eine Träne vergießen mussten. Es reichte nur für den Platz 23.

Damit lag Israel immerhin noch einen Platz vor Deutschland. Das Duo S!sters mit dem Lied „Sister“ landete auf dem drittletzten Platz. Dass es nicht noch schlechter war, verdanken wir der Jury – Immerhin 32 Punkte gab es dort. Beim Zuschauervoting sah es dann etwas anders aus. „Germany, I’m sorry, zero points.“ Oops! Ja gut, wird es nächstes Jahr halt wieder besser.

Und obwohl Bar Rafaeli das schon sehr glaubwürdig rüberbringt, hätten wir noch einen anderen Vorschlag für die nächste Punktevergabe mit null Punkten.

Und falls auch Joachim Llambi mal spontan keine Zeit haben sollte, haben wir auch noch einen Plan B.

Nach dem Ergebnis blieb nur noch eine Frage offen: Wie kann Kommentator Peter Urban es so drehen, dass die deutschen Zuschauer nicht in Tränen ausbrechen?

Aber einen Lichtblick gab es trotz des Ergebnisses dann doch noch: Weißrusslands Sängerin Zena war noch einen Platz schlechter als wir. Und Großbritannien wurde mit Michael Rices „Bigger Than Us“ Letzter. Ob das die Stimmung im Land zu Europa verbessert, kann man durchaus bezweifeln.

Für die Stimmung hingegen besonders gut war der Auftritt der „European Avengers“ während des Televotings. Gerade, als man dachte, dass man mal kurz zur Toilette huschen kann, betrat sie die Bühne: Conchita Wurst. Aber sie war nicht alleine, nein, sie brachte die Prominenz aus vergangenen ESC-Jahren mit: Måns Zelmerlöw, Verka Serduchka und Eleni Foureira.

Besonders das Lied „Dancing Lasha Tumbai“, im Volksmund auch als „Sieben Sieben Ai lyu lyu, Sieben Sieben Eins Zwei“ bekannt, kam beim Publikum an. Lautes Mitsingen stand auf dem Programm, während fleißig die Flaggen geschwenkt wurden.

Deutlich ruhiger wurde es anschließend bei Madonnas Auftritt. Nicht nur ihre politische Botschaft stieß in Israel und bei den Veranstaltern auf Kritik. Auch gesanglich traf sie nicht unbedingt den richtigen Ton. Aber mal ehrlich: Wird sie vermutlich nicht sonderlich stören, bei der Gage. Und so ein paar Fans hat sie ja dann doch noch.

Am Ende des Abends stand der Gewinner dann fest: Duncan Laurence aus den Niederlanden gewann mit seinem Song „Arcade“ trotz ruhiger Töne und ohne große Bühnenshow. Nicht mal das Piano wurde in Brand gesetzt, um beim ESC-Publikum im Gedächtnis zu bleiben. Geklappt hat es trotzdem. Mit seiner Ballade über den Verlust eines lieben Menschens sang sich der Niederländer auf Platz eins der Juryabstimmung und Platz zwei des Televotings. So landete er mit 492 Punkten und 27 Punkten Abstand vor dem Italiener „Mahmood“. Wir sagen: Glückwunsch!

Und einen kleinen Wunsch gäbe es dann doch noch für das nächste Jahr, in dem die Niederlande Gastgeber sind.

Und das war der Eurovision Song Contest im Jahr 2019.

Nachtrag vom 23. Mai: Die European Broadcasting Union (EBU) hat das Endergebnis des Eurovision Song Contest leicht korrigiert. Grund dafür ist eine fehlerhafte Berechnung des weißrussischen Juryvotings. Damit rutscht S!sters vom 24. auf den 25. Platz und liegt nun hinter Weißrussland. Auch einige andere Länder haben Punkte verloren.

Die aktualisierten Ergebnisse gibt es in der Übersicht:

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