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Phil Collins grandios in Köln

„Still Not Dead Yet“ : Phil Collins berührt seine Fans in Köln

76.000 Fans feiern Phil Collins und seine Band bei zwei Konzerten im Kölner Stadion. Der 68-jährige Brite ist gesundheitlich angeschlagen, aber präsentiert sich immer noch voller Energie.

„I can feel it coming in the air tonight, oh Lord“, singt Phil Collins. In Großaufnahme sieht man ihn auf den Leinwänden. Sieht die Sehnen am Hals, die Linien des Kinns, das Pulsieren der Kehle. Und die Hand, die das Mikro umklammert. Fest, ganz fest. Und je mehr sich das Stück steigert, desto öfter zeigen die Leinwände einen anderen, sehr jungen Mann. Der am Schlagzeug alles gibt, was er zu geben vermag. In schnellen Schnitten wechseln die Bilder von Vater und Sohn.

38.000 Fans im Kölner Stadion berührt das am Freitagabend tief. Weil da einer steht, der eingangs erklärt hat, warum er die meiste Zeit des Konzerts sitzend verbringen wird: „Ich hatte eine Rückenoperation, und mein Fuß ist gefucked. Completely gefucked!“ Nach der Operation ist sein rechter Fuß gelähmt.

Schlagzeugspielen kann der 68-Jährige wegen eines Nervenschadens nicht mehr. Seit der Tour mit dem sarkastischen Motto „Not Dead Yet“ (noch nicht tot) 2017 hat sein Sohn Nicholas Collins, damals erst 16 Jahre alt, das übernommen. Jetzt, bei „Still Not Dead Yet“ (immer noch nicht tot), ist er wieder dabei. 2017 war er gut. 2019 ist er noch besser.

Schon als Collins senior um 20.25 Uhr die Bühne mit Gehstock betritt, brandet eine Welle der Sympathie auf. Sie gilt seinem Lebenswerk, als Genesis-Mitglied und als Solomusiker, aber auch seinem Durchhaltevermögen. Und seinem Galgenhumor. Hier steht einer, der eigentlich nicht mehr stehen kann. Still Not Dead Yet – immer noch nicht tot.

Nein, Phil Collins lebt. Und wie! Nicht nur am Freitag, sondern auch am Samstag darauf, schafft es der Brite, das Stadion fast zur Gänze zu füllen. Mit insgesamt 76.000 Menschen. Die erleben ein grandioses zweistündiges Konzert. Mit einer Setliste, die Filmmusik („Against All Odds“), Genesis-Songs („Follow You, Follow Me“), Coverversionen (Stephen Bishops „Seperate Lives“) und Solohits („Another Day in Paradiese”) miteinander kombiniert. Mit einer ganz großartigen Band und einem auch stimmlich gut durchhaltenden Phil Collins, der kurzzeitig doch noch als Schlagwerker auftritt. Im Cajon-Trio, zusammen mit seinem Sohn und dem Percussionisten Richie Garcia.

Die Fans fiebern schon jetzt der Fortsetzung entgegen. Felsenfest davon überzeugt, dass es eine „Weiterhin noch immer nicht tot“-Tour geben wird.