Neues Album von Mark Forster: "Liebe"

Das neue Album von Mark Forster : Liebe gegen die Angst, Liebe als Medizin

„Liebe“ heißt sein neues Album. Und Mark Forster nähert sich dem Thema von unterschiedlichen Seiten. Es geht um viel mehr als nur die Liebesbeziehung zwischen Menschen. Viele unterschiedliche Eindrücke sind in die Musik eingeflossen.

Mark Forster hat gut lachen. Zum einen ist sein neues Album „Liebe“ gerade fertig und erscheint heute. Zum anderen weiß der 34-Jährige nur zu genau, dass ihm damit ein großer musikalischer Coup gelungen ist. Weil seine vorigen beiden Platten allein hierzulande jeweils ein paar Hunderttausend Enthusiasten fanden, konnte er sich seine neue Produktion etwas kosten lassen. Verhältnismäßig viel sogar.

Seine Produktionsmittel nutzte der ewig Neugierige freilich nicht zum Vertrödeln teurer Studiozeit. Genügend Inspiration für seine neuen Songs hatte der gebürtige Pfälzer längst parat, als er mit Sack und Pack durch die Welt zog, um sie einzuspielen. Aber weil jeder Reise ein Aufbruch innewohnt und weil sich selbst Orte, die man eigentlich längst kennt, immer wieder frisch entdecken lassen, rieselten neue Eindrücke auf Forster ein. Eindrücke, die den musikalischen Gehalt seiner vierten Studioeinspielung nachhaltig prägten.

Seit 2012 gibt es alle zwei Jahre ein neues Album von ihm. „Liebe“ bricht mit dieser Regel nicht. Aber es erweitert eindringlich und eindrucksvoll die Wahrnehmung vom Komponisten Forster. In seinem Gesangsstil, der immer schon zwischen Straße, Slang und modernem Popdeutsch mäanderte, ist er unverwechselbar er selbst geblieben.

Auch die Betrachtungsweise der Dinge, über die er singt, ist typisch Forster. Zumeist positiv, immer enthusiastisch, praktisch nie abgeklärt und schon erst recht nicht altklug erzählt er von den scheinbar kleinen Momenten, die das Leben wie Spezialeffekte umkrempeln können.

Deutlich größer ist sein musikalischer Radius geworden. Und damit erklärt er auch den eigentlich erstmal viel zu plakativ wirkenden Albumtitel „Liebe“. „Der Name des Albums steht nicht nur für das Offensichtliche, die Liebesbeziehung zwischen Menschen. Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, dass alles, was man mit Liebe und Hingabe betreibt, irgendwann auf Gegenliebe stoßen wird. Musik ist eine große, konstante Liebe in meinem Leben, der ich zunehmend mehr Platz einräumen möchte“, erzählt Forster.

Seine neue Platte heißt aber auch, wie sie heißt, weil er die Liebe immer häufiger als Medizin begreift, wie er weiter ausführt. Im Moment würden überall auf der Welt Ängste geschürt, sagt er. Menschen sollen Angst vor anderen Menschen haben. „Und wie man tagtäglich erfährt, funktioniert die Angstmache leider auch. Dabei ist es so viel sinnvoller und auch weniger anstrengend, allem und jedem mit Liebe zu begegnen. Sie birgt ein viel konstruktiveres Potenzial als Angst und Hass.“

Kleine Klangtupfer

Wie viel Liebe er in die Details seiner neuen Songs investierte, offenbart gleich die erste Nummer „Comeback“. Es sind kleine, auf den ersten Blick unscheinbare Klangtupfer, die in dem Elektropop-Song die Musik machen. Immer wieder tauchen impulsgebende Sounds an unerwarteten Stellen auf. Die erinnern wahlweise an Kraftwerk oder an die Experimentwütigen der Neuen Deutschen Welle der frühen 80er-Jahre. Den Titel der Single „Einmal“ singt der African Children’s Choir leicht schräg. Aber exakt dieser sich wiederholende Moment verleiht dem Song eine Spannung, die ihn in besonderer Weise vibrieren lässt.

Forster flog mit seinem Team für die Aufnahmen extra nach Uganda, nachdem er eine Dokumentation über den Chor im Fernsehen verfolgt hatte. „Ich wusste beim Gucken sofort, dass ich mit diesen Sängerinnen und Sängern arbeiten musste. Diese afrikanische Chor-Stimmung wollte ich unbedingt in meiner Musik hören. Und eine Woche nach meinem Schauen der TV-Doku flogen wir nach Entebbe“, erinnert er sich.

Die Akustikballade „Was du nicht tust“ klingt erstmal wenig aufregend, wenn Forster darüber singt, wie oft er Bammel vor entscheidenden Schritten hatte. Aber bevor es allzu gewöhnlich wird, reist er das Ruder herum und setzt auf ungewöhnliche Akkordwechsel, die dem Stück enormen Sog verleihen. Und auch hier ist es wieder der Kinderchor aus Ostafrika, der mit dem gesungenen „It‘s never too late“-Refrain den besonderen Moment beisteuert.

Streicheraufnahmen in London

Das Gros der Aufnahmen entstand derweil im italienischen Florenz, in einem Studio auf einem Berg, der mit Olivenbäumen bewachsen ist. Der Ruhe wegen habe er sich dort vorübergehend eingebucht, meint Forster. Eine weitere Station auf der Reise zu „Liebe“ war London. Unter der Ägide der Arrangeurin Rosie Danvers entstanden die Streicheraufnahmen fürs neue Album an der Themse. „Ich bin der einzige deutsche Musiker, mit dem sie zusammenarbeitet“, beschreibt Forster die Zusammenarbeit stolz. „Die arrangiert ansonsten für Leute wie Adele oder Kanye West. Glücklicherweise mag sie auch meine Platten.“

Keine Orchestrierungen, aber zeitgemäßen Afro-Zouk steuern die aus Kampala stammenden ugandischen Popstars Maro und Maurice im Song „Chip In“ bei. Entstanden ist die Nummer spontan, direkt nach dem Kennenlernen im Studio der beiden, einem Zimmer in einem Parkhaus. Und am Abend nach der Einspielung fuhren Forster und seine beiden neuen Freunde zum ugandischen Radio, um ihr gemeinsames Werk auch direkt über den Äther zu jagen. „Es ist toll, wenn Musik auf diese Weise entsteht“, sagt Forster. „Man hört es Liedern an, wenn sie mit einer besonderen Motivation verbunden sind. Mit der Liebe.“

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