Neues Album von Kool Savas: "KKS"

Das neue Album von Kool Savas : Weg vom Denken in Kategorien

Der in Aachen geborene Rapper Kool Savas macht auf seinem neuen Album „KKS“ alles richtig. Die Silben seiner gewohnt kraftstrotzenden Wörter haut er mit beeindruckendem Tempo raus, seine Soundwahl ist frisch, ohne dem Pop-Zeitgeist in die Karten zu spielen.

Kool Savas agiert als Battle-Rap-Titelverteidiger auf seinem neuen Album „KKS“ sogar noch effektiver als in den kompletten 17 Jahren, die seit seinem Debüt „Der beste Tag meines Lebens“ ins Land gezogen sind. Ins Land der Dichter und Denker, der Nörgler und Neider, der Konstruktiven und der Destruktiven.

Wer darin welche Position bezieht, ist oft nicht ganz klar. Wie im „KKS“-Kernstück „Universum & Hawking“ beispielsweise. Unter anderem mit Olli Banjo, Bozrap und Infinit geht der 43-Jährige das knapp acht Minuten dauernde Stück erstmal arglos an. „Ich wollte immer ein MC sein, ein Rapper nach allen Regeln der Kunst“, wird darin gesungen. Die gewählte Form des gesungenen Worts verwundert nicht. Kools Savas war seit jeher ein Sprechgesangsheld, der klassischen Songformen immer gerne Platz in seiner Musik einräumte.

Es wird mit Worten gewütet

Nach drei Minuten Spielzeit kippt der verhältnismäßig freundliche Auftakt des Stücks allerdings. Zu futuristisch anmutenden Tönen heißt es „Mein Vater war ein Immigrant, mein Rap-Style ist militant“. Die Taktung wird schneller und Savas zieht den Vorhang auf, hinter dem seine aktuelle Battle-Rap-Kulisse beleuchtet wird. Es wird geschmäht, es ist von „Spielzeug-Rappern“ die Rede, es wird mit Worten gewütet.

Wut gehört als probates Stilmittel zum Battle-Rap, und Kool Savas hat das Genre hierzulande für sich reklamiert. Mit reinigender Wirkung für ihn selbst. „Privat bin ich schon lange nicht mehr wütend, weil ich alle Wut in meiner Musik rauslassen kann“, sagt er. „Ab und an platzt mir aber schon auch noch außerhalb der Musik der Kragen. Zum Glück kann ich solche Momente dann mittels meiner Reime in Bahnen lenken, die keine Magengeschwüre verursachen.“

Die werden beim geneigten Kool-Savas-Fan während des Durchhörens von „KKS“ sicher nicht wachsen. Humorlos geriert sich der in Berlin lebende Monolith des Rap-Kräftemessens auf seinem fünften Album trotzdem keineswegs. Alle, die von ihm erwarten, dass er den allgegenwärtigen „Autotune-Rappern“ zeigt, wo der Hammer hängt, verwirrt er gleich mit „Kill diese Rapper“, dem ersten Stück des neuen Albums.

Zur Piano-Ballade nutzt ausgerechnet er digitale Tonhöhenkorrektur zur Verfremdung seiner Stimme. Im zweiten Teil des knappen, aber nachhaltig wirkenden Intros könnte er das Rätsel, ob ausgerechnet er jetzt neuerdings die Barbiepuppen-Rapper umarmt, auflösen. Er lässt es aber bleiben und stiftet damit durchaus noch mehr gewolltes Stirnrunzeln.

Das ist mutig. Von ihm stammen schließlich wuchtige Zeilen wie „Lieber toter Rapper statt lebender Singer-Songwriter“. Aber zum einen ist Provokation das halbe Leben eines jeden Battle-Bruders. Zum anderen zeichnet gerade der Kontrast zwischen gesungenen Passagen und extrahartem Rap „KKS“ groß. Die drei Buchstaben des Albumtitels stehen übrigens für „King Kool Savas“ und unterstreichen, dass der Mann keineswegs vom gewohnten Protzgehabe Abstand genommen hat. Die übertrieben positive Darstellung seiner Person durchzieht die Platte wie ein Leitfaden. Aber das Selbstheroische ist ein Muss im Battle-Rap und kein Merkmal, das er neu für sich gefunden hat.

Ein wirkliches Thema als Leitfaden will Kool Savas selber nicht im Album verorten, wie er sagt. „Ich hatte kein Konzept entworfen, als ich die Ideen für die Platte zusammentrug. Vielmehr ging es mir darum, alles auszuleben, worauf ich in diesem Moment gerade Lust habe. Einzig Schubladendenken habe ich weitestgehend vermieden. Aber auch das stand nicht als Konzept im Raum. Ich verabschiede mich immer mehr davon, in Kategorien zu denken. Das schafft mehr Freiheit, und ich hoffe, dass man mich heute freier wahrnimmt als vor 17 Jahren.“

Mit der Freiheit geht auch sein Mut zur Originalität einher, die auf „KKS“ allgegenwärtig ist. Überaus detailverliebt geht er ans Werk, jede Silbe sitzt perfekt. So perfekt, dass eine Steigerung kaum mehr möglich scheint. Seine Sprechgesangs-Technik hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Sein höchst individuell geprägtes Selbstverständnis als Rapper scheint beinahe ausgereizt. Möglicherweise geht er deshalb inhaltlich mehr in die Tiefe als zuvor und wird im Zuge dessen persönlicher.

Gedanken zum Flüchtlingsthema

Das Stück „Krieg und Frieden“ könnte, vordergründig betrachtet, ein Song für seinen Sohn sein. Aber die Ebenen, die sich bei genauem Hinhören offenbaren, lassen auch Kool Savas’ Gedanken zum Flüchtlingsthema erkennen. Er positioniert sich auf seinem neuen Album entsprechend bei weitem nicht nur gegen, sondern in vielen Teilen auch für Menschen.

„Ich will nicht den Berufsjugendlichen geben“, meint er. „Klar, ich spreche eine junge Sprache auf der Platte, weil sie meine Sprache ist. Aber deswegen muss ich mit meinen Gedanken nicht hinterm Berg halten, die aus meiner Lebenserfahrung resultieren. Menschen flüchten nicht nach Europa, um hier etwas abzusahnen, sondern, um sich und ihre Familien in Sicherheit zu bringen. So was darf man auch auf einem Battle-Rap-Album sagen. Und wenn es Leute gibt, die das anderes sehen, ist das okay. Ich schreibe über die Themen, die mich bewegen.“