„MozARTe“ in Aachen: Eröffnungskonzert zum Klavierfestival

Klavierfestival „MozARTe“ : Drei Pianisten, drei Profile

34 junge Pianisten und Pianistinnen aus 14 Nationen stellen sich bis Freitag der achtköpfigen Jury des „15. International Piano Competition & Festival MozARTe“. Seit neun Jahren wird der mit Preisgeldern von insgesamt 6000 Euro dotierte Wettbewerb in den Räumen der Musikhochschule ausgetragen, organisiert von Prof. Andreas Frölich.

Dass nur drei deutsche Teilnehmer gemeldet sind und die fernöstliche Fraktion mit 17 Kandidaten überproportional stark vertreten ist, gehört seit langem zum Alltag der klassischen Musikszene.

Die Musik Mozarts bleibt das Herzstück des Wettbewerbs, auch wenn man sich seit dem letzten Jahr entschlossen hat, den Teilnehmern in den ersten beiden Runden absolute Freiheit bei der Werkauswahl zu lassen. Und selbst die Finalisten dürfen in der Schlussrunde am Freitag zwischen drei Mozart-Konzerten und dem 2. Klavierkonzert von Frédéric Chopin entscheiden.

Auch diesmal eröffneten Mitglieder der Jury das Festival mit einem Konzert im bis auf den letzten Platz besetzten Kammermusiksaal der Hochschule. Neben den Jury-Vorsitzenden Andreas Frölich und Ilja Scheps stellte sich der an der Mannheimer Hochschule tätige Pianist Wolfram Schmitt-Leonardy mit Bachs Konzert in d-Moll BWV 1052 vor. Schlank und hellwach begleitet von fünf Streichern des „MozARTe Festival Strings“, wirkte der Klavierklang in dem akustisch nicht unproblematischen Raum recht massiv, was sich auch durch die recht rasanten Tempi nicht mildern ließ, die zudem die Gefahr förderten, in den schnellen Ecksätzen in eine mechanisch abspulende Gangart zu verfallen. Dass Schmitt-Leonardy mehr zu bieten hat, bewies er im ausdrucksstarken Adagio.

Der Wettbewerb beginnt

Andreas Frölich widmete den gesamten zweiten Teil des üppig bestückten Programms seinem Hausgott Mozart. Mit einem tief empfundenen, gleichwohl alles andere als sentimental oder romantisiert gestalteten Vortrag der Fantasie in c-Moll und einer differenzierten Interpreation der stilistisch komplexen Sonate in F-Dur KV 332. Eines der vielen Werke Mozarts, in denen sich hinter einer scheinbar charmant-unbeschwerten Fassade moll-getrübte und dynamisch scharf akzentuierte Abgründe auftun, die Frölich mit sicherem Stilgefühl aufdeckte.

Mit Mozart eröffnete auch Ilja Scheps seinen Vortragsblock. Die Sonate in B-Dur KV 281 erfuhr eine präzise, vor allem im Andante amoroso emotional ansprechende Interpretation ohne Fehl und Tadel. Allerdings schien ihm der brillante Schwung eines Walzers von Chopin noch besser zu liegen. Von den aufwühlenden, auch in pianistische Grenzbereiche ragenden Etüden Sergej Rachmaninows, mit denen Ilja Scheps seinen Beitrag abschloss, ganz zu schweigen.

Drei Pianisten, drei Profile, drei Vorträge auf hohem Niveau. Ein würdiger Auftakt zum kräftezehrenden Wettbewerbsalltag, den interessierte Zuschauer bis Freitag von jeweils 10.30 Uhr an verfolgen können. Am Mittwochabend um 19 Uhr lockt ein Konzert mit weiteren Jury-Mitgliedern in die Hochschule, am Freitag werden drei oder vier Finalisten um 19.30 Uhr im Alten Kurhaus um die begehrten Plätze ringen.

www.mozarte-aachen.com

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