Mark Knopfler in Köln gefeiert

Konzert in Köln : Die Dire-Straits-Ära lebt wieder auf

Weltstar Mark Knopfler blickt in der Kölner Arena zurück – bis zu seiner Zeit als „junger Idiot“.

Mark Knopfler gehört zu den wenigen Gitarristen, deren Stil einen individuellen Sound mit ungemein großem Wiedererkennungswert hervorgebracht hat. Mit Dire Straits legte der Schotte 1977 ein brillantes Debüt hin, von dem nicht nur „Sultans of Swing“ noch heute absolut hörenswert ist. Die Begeisterung für seine Musik hat auch während seiner 20 Jahre Soloarbeit angehalten. Nun feiern rund 14.000 Fans in der Kölner Arena den 69-Jährigen, der mit einer zehnköpfigen Begleitband angetreten ist. Und was auch immer Mark Knopfler bewogen haben mag, seine alte Band aufzulösen, ganz ohne mehrmalige Griffe in die Dire-Straits-Kiste kommt auch sein aktuelles Repertoire nicht aus.

„Why Aye Man“ eröffnet das rund zweistündige Konzert und erweitert Knopflers ohnehin weit gesteckten Folk-Einflüsse um eine Art Shanty, während das folgende „Corned Beef City“ zurück zum fleischigen Rock’n’Roll führt. Ob Folk, Blues, Country oder Cajun – seine besondere Fingerpicking-Technik zieht sich wie ein roter Faden durch jeden Song. In schneller Folge reißt er einerseits Saiten an, während andere nur sanft gezupft werden. So bilden harte Töne immer wieder einen Kontrast zu weichen Klängen, die gleichsam schweben wie die einer Pedal-Steel-Gitarre.

Sein Solo-Klassiker „Sailing to Philadelphia“ katapultiert das Publikum erstmals von den Sitzen, bevor „Once Upon a Time in the West“ mit Reggae-Rhythmik die Dire-Straits-Ära aufleben lässt. Auch wenn sich die Stilistiken abwechseln, Knopflers musikalisches Grundprinzip bleibt stets ähnlich. Spannung liefert hingegen das große Potenzial seiner Band versierter Multiinstrumentalisten, die von Bass über Bouzuki und Dudelsack bis zur Zither klanglich alles rockig-folkig Mögliche abdecken. Die exzellente Kommunikation zwischen den Musikern, musikalische Dialoge zwischen Knopflers Gitarre und John McCuskers Violine oder auch mit Nigel Hitchcocks Saxofon sind das Salz in der Suppe.

Ausgerechnet sein jüngster Song „Matchstick Man“ vom 2018 veröffentlichten Album „Down the Road Wherever“ geht biografisch am weitesten zurück. Knopfler erzählt die Geschichte, wie er während seines Studiums mit einer schlechten Band ein Konzert in Penzance gab und dann zurück in die Heimat trampen will. Weil Weihnachten ist, hat er Probleme, überhaupt mitgenommen zu werden, und strandet dann in den verschneiten Midlands. Die Geschichte eines jungen Idioten, der ich damals war, kommentiert Knopfler den Song trocken.

Mit „Speedway at Nazareth“ nimmt das Konzert wieder rockiges Tempo auf, und das begeistert jubelnde Publikum fordert anschließend Zugaben. Zwar swingt kein Sultan, aber auch „Money for Nothing“ und das besinnliche „Brothers in Arms“ markieren Stimmungshöhepunkte. Mit dem Soundtrack „Going Home“ setzt Knopfler einen besinnlichen Schlusspunkt und regt gleichzeitig dazu an, nochmals den Film „Local Hero“ aus der DVD-Schublade zu kramen.

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