Angemerkt: Klingt schon ziemlich ähnlich

Angemerkt : Klingt schon ziemlich ähnlich

In der Popmusik ist doch eh alles schon mal dagewesen – oder? Über Originalität lässt sich zwar streiten, und dass ein Rechtsstreit über eine Zwei-Sekunden-Sequenz mehr als 20 Jahre andauert, kann man albern finden. Das Urteil des EuGH macht aber noch einmal etwas wichtiges deutlich.

Das kreative Eigentum eines Künstlers muss geschützt werden. Das muss für virtuose Melodien ebenso gelten wie für kurze Klang­folgen, aus denen gerade im Hip-Hop oder Elektro ganze Songs gebaut werden. Wird ein Schnippsel so weit verändert, dass ein „neues und unabhängiges“ Werk entsteht, sieht der EuGH eine Ausnahme. Das klingt logisch und entspricht der Sampling-Praxis in der modernen Musikproduktion, krankt aber an der schwammigen Formulierung.

Einzelne Töne, Akkorde oder kurze Drumloops sind nach allgemeiner Ansicht nicht schutzfähig. Was für den Künstler oder das Stück charakteristisch ist – wie der metallische Beat aus dem Kraftwerksong –, aber eben schon. Was dem Urteil fehlt ist die Konkretisierung, ab wann etwas Neues geschaffen ist. Wer sich die beiden Tracks, um die sich der Streit dreht, mal genau anhört, wird feststellen: klingt schon ziemlich ähnlich.