Sting in Mönchenglabach: Kantig, druckvoll, vital und alles andere als Routine

Sting in Mönchenglabach : Kantig, druckvoll, vital und alles andere als Routine

Nein, Sting will nicht nur spielen, dieser Stachel kann immer auch noch stechen. Mit „My Songs“ begeistert der 67-jährige Bassist, Sänger und einstiger The Police-Frontmann die rund 12.000 Fans im Mönchengladbacher Sparkassenpark, mit Klassikern seiner nunmehr 42 Jahre währenden musikalischen Karriere.

Trotz der Gluthitze wird ausgelassen getanzt, gewinkt und mitgesungen. Willkommene Erleichterung verschaffen drei „Wasser-Tankstellen“, sanfte Wasserduschen im Innenbereich verschaffen zusätzliche Abkühlung.

Mit jubelndem Applaus werden Sting und seine siebenköpfige Band empfangen, doch der kommt mit „Message in a Botttle“, dem ersten von insgesamt zwölf Police-Klassikern, das sind mehr als die Hälfte der Setlist, schnell zur Sache. Allerdings spult er mit „My Songs“ – wie man durchaus hätte unterstellen können – kein routiniertes Best-Of-Programm ab. Der Brite ist zu intelligent und als Musiker zu ambitioniert, um daran Spaß zu haben, stets die gleichen Songs in gleicher Manier herunterzuspielen. Er hat seine Lieblingssongs vielfach neu arrangiert, und die werden jetzt mit „mit Stachel“, das heißt komprimierter, druckvoller und mit mehr Spielfreude intoniert.

Immer wieder ist es die bestens besetzte Band, die so manchen im neuen musikalischen Gewand überraschenden Song eine besondere Note hinzufügt. So amüsiert „Fields of Gold“ mit gediegenem Country-Feeling, „Desert Rose“ erhält opulente orientalische Streichersounds und „End of the Day“ mutiert zum beseelten Gospel. Dass Stings Herz häufig im Reggae-Rhythmus schlägt, ist kein Geheimnis, zahllose Police-Klassiker verinnerlichten rhythmisch die Off-Beats der Karibik.

So geht „Walking on the Moon“ schließlich in den Bob-Marley-Hit „Get Up, Stand Up“ über. Allerdings klingen Stings Reggae-Adaptionen nicht nach karibischer Entspannung, sondern ungleich härter und kantiger, vitaler eben. Nach drei Zugaben, darunter ein nahezu punkiges „Next to You“, ist das sommerliche Open Air zu Ende. Es war jeden Schweißtropfen wert.

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