Kammermusik im Foyer des Theaters Aachen

Beginn der Kammermusikkonzerte in Aachen : Unterhaltsamer Start

Beim Kammermusikkonzert im Theater Aachen stehen Werke des 20. Jahrhunderts auf dem Programm

Musik für Holzbläser und die Violine als Solo-Instrument gab im ersten städtischen Kammerkonzert im gut besuchten Foyer des Aachener Theaters den Ton an. Dass mit einer Ausnahme ausschließlich Werke des 20. Jahrhunderts auf dem Programm standen, sollte und dürfte nicht der Grund gewesen sein, warum diesmal mehr Plätze leer geblieben sind als man es von den Kammerkonzerten gewohnt ist. An Unterhaltungswert mangelte es nämlich auch dieser abwechslungsreichen Werkfolge nicht.

Das betrifft ohne Einschränkung den zweiten Programmteil mit Werken für Bläserquintett von Luciano Berio und Francis Poulenc, denen man ihre Nähe zu den hellen, quirlig sprudelnden Quellen des französischen Neoklassizismus unverkennbar anhört. „Opus Number Zoo“, ein vierteiliges „Bestiarium“ auf der Grundlage skurriler Tiermärchen von Rhoda Levine brachten die fünf Bläser des Aachener Sinfonieorchesters mit Spiellaune und technischer Versiertheit zum Klingen.

Die von den Musikern unverstärkt rezitierten Texte blieben im Foyer allerdings teilweise unverständlich. Die akustischen Voraussetzungen raubten dem Vortrag so das letzte Quäntchen an leichtfüßiger Eleganz und klarer Transparenz.

Homogenes Ensemble

Zu Francis Poulencs „Sextett“ op. 19 gesellte sich noch ein Klavier hinzu, das die klanglichen Probleme nicht minderte. Gleichwohl konnte man sich an einer spielerisch hochwertigen Interpretation des anspruchsvollen Werks erfreuen, bei der sich nicht nur die neue Solo-Fagottistin des Orchesters, Amber Mallee, von ihrer besten Seite zeigen durfte. Auch Matthias Schmidt (Flöte), Arnd Sartor (Oboe), David Kindt (Klarinette), Michael Roberts (Horn) und Gero Körner (Klavier) präsentierten sich als recht homogenes Ensemble.

Soli von Marijn Simons

Vor der Pause glänzte Konzertmeister Marijn Simons mit zwei Solo-Werken für Violine seines Kompositionslehrers Daan Manneke und aus eigener Feder. Es ist erfreulich, dass der viel zu bescheidene Musiker auch in Aachen eine Kostprobe seines kompositorischen Schaffens gab. Simons‘ „Song of Backyards“ hält dankbare Aufgaben für das Solo-Instrument bereit, die der Geiger mühelos löste. Allerdings hätten einige Erläuterungen, wie er sie zur kleineren Komposition seines Lehrers gab, zum Verständnis wertvolle Hörhilfe geben können.

Aus dem Rahmen fielen zum Auftakt vier der acht Stücke für Klarinette, Viola und Klavier op. 8 des Romantikers Max Bruch, bei denen neben dem Klarinettisten David Kindt auch Teresa Westermann mit ihrem ausdrucksvollen, warmen und tragfähigen Bratschenton zeigen konnte, was in ihr steckt.

Viel Beifall für einen abwechslungsreichen und ebenso anspruchsvollen wie unterhaltsamen Startschuss der Kammermusiksaison. Das 1. Kammerkonzert wird heute Abend um 20 Uhr im Spiegelfoyer des Theaters wiederholt.

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