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Konzert im Eurogress: Herman van Veen glänzt in Aachen „mit dem Wissen von jetzt“

Konzert im Eurogress : Herman van Veen glänzt in Aachen „mit dem Wissen von jetzt“

Der niederländische Sänger und Entertainer Herman van Veen und sein Ensemble werden am Samstagabend in Aachen von einem begeisterten Publikum gefeiert. Seit rund 50 Jahren steuert er die Kaiserstadt an, stets ausgestattet mit einem topaktuellen Programm.

Es ist eine lange Tournee, die Herman van Veen gestartet hat. Um ehrlich zu sein, sagt er, dauert sie jetzt schon gut 55 Jahre – immer unterwegs, ein weiter, weiter Weg, unbestimmtes Ziel, er will ihn noch lange beschreiten. Und er motiviert sich wie auch seine famosen Mitstreiterinnen, die ihn seit 30 Jahren begleitende Gitarristin Edith Leerkes und die Violinistin und Sängerin Jannemien Cnossen und den Bassisten Kees Dijkstra mit einem ständig wechselnden Programm. Von Abend zu Abend wird es leicht variiert, „es wird gezeigt, was mich und vermutlich auch das Publikum in diesen Tagen interessiert“. Das Programm heißt auch so: „Mit dem Wissen von jetzt.“

Van Veen hat eine besondere Kunstform entwickelt, immer thematisch aktuell, immer musikalisch virtuos, immer in diesem charakteristischen Mix unterwegs zwischen Clownerie, literarischem Kabarett und großer, breiter musikalischer (Improvisations-)Kunst, klassisch inspiriert, in allen Genres bewandert. So auch am Samstagabend im bestens gefüllten Aachener Eurogress. Seit nunmehr 50 Jahren steuert van Veen die Kaiserstadt an, die er ohnedies als geliebten und vielbesuchten Grenzort („das war hier früher alles Holland“) sieht.

Der 77-Jährige läuft zu Höchstform auf, schafft durch die schnellen Brüche in Musik und Text, in Form und Stimmung diesen rasanten und doch erholsamen Ritt durch seine bunte und so herrlich nicht-digitale, weil analoge Welt, in der sich Menschen noch leibhaftig begegnen.

Ernst sind die Themen, schwer lastet die Weltenlage. Dass er ein Nachkriegskind sei und das auch bleiben wolle, sagt er früh am Abend. Wahnsinn, Scham, manchmal Mutlosigkeit, manchmal Wut empfindet er bei den Mächtigen der Sorte Trump, Assad oder Putin – ein Refrain aus einem reichhaltigen, sehr aktuellen deutschen Lieder-Programm lautet: „Wie findet der Verstand die Menschen?“ Und die Frage des Abends, durchaus auf den Umgang der Menschheit mit ihrer Natur, mit ihrem Lebensraum bezogen, heißt: „Wie viel ist genug?“

Ansonsten kommen die Emotionen, das Herz, die Sehnsucht und Melancholie an diesem Abend wahrlich nicht zu kurz. Die liebevollen Erinnerungen an die Eltern, die gefühlvollen Umarmungen für die Freunde, die stolzen Schwärmereien von den Kindern. Alles fließt. Selbst Praktikantin Lieke Meijers singt an diesem Abend in gleich drei Stücken mit.

Das alles wird in einem bunten Sprachenmix dargereicht, den van Veen schon in einem Interview mit unserer Zeitung vorab angekündigt hatte. „weil man das in Aachen problemlos kann“: In Niederländisch, Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch geht das Publikum auf musikalische Reise, die den Horizont erweitert. Eine Krönung: Edith Leerkes „Raggi di Sole“, das Lied über die beiden Enkelsöhne, die Strahlen der Sonne.

Viele Zugaben am Ende und van Veens Zusage: Wir kommen wieder. Die Tour geht weiter.