Mark Forster bei den Kurpark Classix: Glückliche Menschen und Songs, die ins Herz treffen

Mark Forster bei den Kurpark Classix : Glückliche Menschen und Songs, die ins Herz treffen

Er hebt ab und bleibt dabei bodenständig: Mark Forster begeistert 8000 Fans beim Abschluss der Aachener Kurpark Classix.

Eine gigantische Show und Songs, die ins Herz treffen: Mark Forster weiß genau, wie er rund 8000 Zuschauer beim Abschlusskonzert der Aachener Kurpark Classix am Montagabend begeistern und glücklich machen kann – mit seiner Freude, seinem Kummer, seinen Sehnsüchten, die der 35-Jährige in flotte Texte packt und in die Welt schleudert. Das Publikum im Kurpark: vor allem Teenies mit ihren Eltern, die vielleicht aus Pflichtbewusstsein mitgekommen sind und zum Schluss mindestens so begeistert mitsingen wie der Nachwuchs.

Nach Lutz Rode und Band, die als Vorgruppe kantigen Rock und ambitionierte Texte abliefern, ist die Bühne dunkel. Das dauert. Die Zuschauer murren, auf der Wiese stehen sie dichtgedrängt seit gut zwei Stunden. Doch alles ist vergessen, als sich die Wunderwelt auf der Bühne öffnet. Forster hat auf seiner „Liebe Open Air Tour“ vier Sattelschlepper und einen Stab von über 50 Mitarbeitern dabei. Die Ausstattung ist entsprechend üppig. Mittendrin Mark Forster, quirlig, gut gelaunt, dem Publikum zugewandt. Sein Appell: „Hört nie auf zu träumen!“

Das Programm ist eine geschickte Mischung aus Forsters Alben „Karton“, „Bauch und Kopf“, „Tape“ und natürlich „Liebe“, das Tour-Motto. Der Künstler, den man aus Fernsehshows wie „The Voice Kids“ oder „Sing meinen Song“ kennt, geht auf die Menge ein, motzt ein bisschen über die „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ von Wiese und Sitzplätzen, ist gut drauf.

Es wird dunkel, und die Show explodiert, wird zum Ereignis. Man erkennt, wie musikalisch dieser Künstler ist, der sich mit seinen Band-Kolleginnen und -Kollegen ein fabelhaftes Team geschaffen hat, das alles andere als „Background“ spielt. Da sind Bläsersätze, Schlagzeug- und Gitarrensoli vom Feinsten dabei. Und die Menschen singen mit, oft lange Passagen. „Es gibt 194 Länder, ich will jedes davon sehen“, „Von Dir zu mir, so weit, weit weg“: Wünsche, Kummer, Herzschmerz und Höhenflüge. Forster packt es in Songs, die rockig und häufig als Rap-Mix daherkommen. Alle sind an seiner Seite, besonders bei „Genau wie du“, dem Lied für seinen Vater, bei dem der Künstler still wird, sich ans Klavier setzt. Ein guter Moment.

Regen aus weißen Luftschlangen

Einer Video-Show mit einem Mix aus live vor Ort aufgenommenen Material und gut ausgewählten Impressionen überrascht und schaffen einzigartige Eindrücke, bei denen sich die Zuschauer selbst sehen, feiernd und winkend. Forster hüpft, läuft und dreht sich unermüdlich. Lustige Finessen, etwa ein „Handy-Kontakt“ zum verschlafenen Michael Patrick Kelly oder die Zuschalte von Sido beim Song „Danke, Danke“, sorgen für Spannung. Effekte wie der Regen aus weißen Luftschlangen oder feurige Lichtgarben im Theaternebel katapultieren die Zuschauer für gut zwei Stunden in eine Welt, in der Kummer und Spaß ausgelebt werden können. Wichtig ist das Gefühl, Teil dieses Kosmos zu sein. Mark Forster hebt ab und bleibt dabei bodenständig. Er lebt in Berlin, hat aber die Kindheit in seinem Dorf in der Nähe von Kaiserslautern immer im Gepäck. „Aachen, geht’s euch gu-hut??“ lautet der Zauberspruch, und ein 8000-facher Chor antwortet: „Ja-ha!“ Das wiederholt sich, denn „Die Welt ist klein und wir sind groß“.

Dann das „Au Revoir“, gleichfalls ein Sido-Titel. Da wird stürmisch nach Zugaben gerufen. Doch „Liebe“ ist noch nicht vorbei. „Chöre“: Bei diesem programmatischen Song sitzt niemand mehr. Leidenschaftlich Forsters Appell gegen Resignation: „Ich lass’ Konfetti für dich regnen, ich schütt’ dich damit zu“. Das Publikum steht verzaubert im bunten Wirbel, die Papierflocken leuchten, ein glitzerndes Feuerwerk erhellt als letztes Highlight den nächtlichen Himmel.

Applaus für einen perfekten Abend – oder, wie Forster singt: „Egal was kommt, es wird gut, sowieso, immer geht ’ne neue Tür auf, irgendwo!“ Die Wiesen sind weiß, das Verkehrschaos wird von Sicherheitskräften gebannt, und überall hört man noch ein „Ohooho“.

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