Erstes Sinfoniekonzert der Saison: Eine Pianistin, der es um mehr als Perfektion geht

Erstes Sinfoniekonzert der Saison : Eine Pianistin, der es um mehr als Perfektion geht

Zlata Chochieva will mit ihrem Instrument Geschichten erzählen – auch beim ersten Sinfoniekonzert der Saison in Aachen.

„Slawische Seelen“? Das Motto des ersten Sinfoniekonzerts der neuen Spielzeit in Aachen klingt poetisch und passt zu den Werken von Dimitri Schostakowitsch, Sofia Gubaidulina, Sergej Rachmaninow und Peter Tschaikowski. Aber für die in Moskau 1985 geborene Virtuosin Zlata Chochieva, die mit Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 4 g-Moll op. 40 im Mittelpunkt stehen wird, ist der Titel Anlass zum Nachdenken. „Die russische Kultur ist von sehr unterschiedlichen Eindrücken geprägt, das macht sie sehr besonders“, sagt sie. Melancholie, Tiefe, Kraft, ja, das finde man bei Rachmaninow. Und sicher auch „Seele“.

Die selbstbewusste Künstlerin wird häufig als „russische Pianistin“ angekündigt. „Dabei bin ich gar keine Russin. Meine Eltern kommen aus Ossetien, einer Volksgruppe im Kaukasus“, erzählt sie. Ihr Geburtsland Russland hat sie aber gleichfalls geprägt. Dort ist die Tochter einer Pianistin aufgewachsen, hat bereits mit vier Jahren am Klavier gesessen und später am Staatlichen Moskauer Konservatorium ihr Studium absolviert.

Kurz nach ihrem brillanten Abschluss kam sie als Meisterkurs-Teilnehmerin nach Salzburg und blieb – als Assistentin des französischen Pianisten Jacques Rouvier, zu dessen Schülern David Fray und Hélène Grimaud zählten. „Nach sechs Jahren werde ich jetzt wohl eine Pause machen. Es war eine großartige Zeit, aber ich bin so viel auf Reisen. Das geht nicht, wenn man unterrichtet“, sagt die 34-Jährige, die sich ihre fröhliche Leichtigkeit bewahrt hat. Die will sie auch den Musikstudenten mit auf den Weg geben. „Ich will ihnen vermitteln, dass es letztlich nicht auf Fehlerfreiheit ankommt.“

Entsprechend kritisch steht sie weltweiten Klavier-Wettbewerben gegenüber. „Es kann nicht sinnvoll sein, nur auf Perfektion zu achten“, betont sie. „Jedes Werk erzählt eine Geschichte, und der Interpret sollte dem Publikum diese Geschichteauch erzählen können.“ Auch sie hat an Wettbewerben teilgenommen und dabei viel gelernt: Bühnenpräsenz zum Beispiel. „Die Bühne ist der beste Lehrer. Der Kontakt zum Publikum ist gleichfalls sehr wichtig“, sagt die Pianistin. „Ich spüre es, wenn die Zuhörer aufmerksam sind, fühle, wie sie atmen.“

Zlata Chochieva ist mit offenen Augen und einem sicheren Instinkt für authentische Strömungen in der Welt unterwegs, atmet durch in angesagten Jazz-Clubs, zum Beispiel in London oder New York, und freut sich auf neue Energien und Inspirationen – demnächst in Berlin, wohin sie ziehen möchte.

Musikalische Vorlieben? Da ist Rachmaninow, der zudem ein gefeierter Pianist war, ganz vorn, gefolgt von Mozart, Schumann und Chopin. „Ich spreche nicht gern von Favoriten“, sagt sie. „Diese Komponisten sind einfach wie sehr gute, enge Freunde.“

(sar)