„Spannungen“ in Heimbach: Eine exotische Reise geht zu Ende

„Spannungen“ in Heimbach : Eine exotische Reise geht zu Ende

Mit einer emotionsgeladenen Interpretation von Johannes Brahms‘ Klavierquartett op. 25 ging die 22. Auflage des Kammermusikfestivals „Spannungen“ in Heimbach“ am Sonntagabend zu Ende.

Mit Lars Vogt als künstlerischem Leiter am Klavier, dem Geiger Christian Tetzlaff, Gustav Rivinius am Violoncello und Yura Lee an der Bratsche sorgten treue Stammgäste für den effektvollen Schlusspunkt.

Zurück lag ein Reigen an Konzerten, ergänzt durch öffentliche Proben, Vorträge und andere Zusatzveranstaltungen bei tropischen Temperaturen, die zum exotische Motto des Festivals „Von fremden Ländern und Menschen“ passten. An manchen Tagen lud das Programm zu einer dreistündigen Weltreise ein, wenn etwa Werke des Argentiniers Astor Piazzolla mit denen des Amerikaners Charles Ives, des Mähren Leoš Janáček, des Ungarn György Kurtág und des Deutsch-Österreichers Mozart kombiniert wurden.

Im Fall von Franz Schuberts „Winterreise“, mit der der Tenor Julian Prégardien zusammen mit Lars Vogt einen absoluten Höhepunkt des Festivals markierte, musste man allerdings nicht in die Ferne reisen, sondern sich in das Innere einer unglücklichen Seele begeben. Prégardien verkörpert eine Sängergeneration, die das Kunstlied erheblich schlanker und weniger auf dramatischen Effekt ausgerichtet interpretiert als die früheren Stars der Fischer-Dieskau-Ära.

Zur bevorzugten Zielgruppe des Festivals gehören junge Menschen. Ob durch Besuche von Musikern in Schulen im Rahmen der „Rhapsody in School“ oder bei der „Jungen Bühne“ am Donnerstagvormittag, als 500 sehr junge Schüler ein buntes, von Malte Arkona moderiertes Programm mit den „Stars“ des Festivals erleben durften. Zum Markenzeichen des Festivals gehören nicht zuletzt die treuen Turmbläser der Musikschule Düren unter Leitung von Renold Quade, die den Beginn der Konzerte und das Ende der Pausen signalisieren.

Die Fülle und Vielfalt der dicht gepackten Programme schien in diesem Jahr besonders ausgeprägt. Die Qualität der Interpretationen blieb war gewohnt hoch. Und mit dem Franzosen Éric Montalbetti war diesmal ein „Composer in Residence“ zu Gast, der seine Kompositionen 35 Jahre lang unter Verschluss gehalten hat, bis er sich erst 2015 als Komponist outete und seitdem auf großes internationales Echo stößt. In Heimbach stand dessen von Christian Tetzlaff interpretierte Sonate für Violine solo kompositorisch ebenso auf der Höhe der Zeit wie die Auftragskomposition „Duo pour violon et piano“, gewidmet Christian Tetzlaff und Lars Vogt, ausgeführt von Tetzlaff und Alexander Vorontsov. Musik, die den intimen Tagebuchcharakter der Werke des scheuen Komponisten zum Ausdruck bringt und nahtlos zum Motto des Festivals passt.

„Spannungen 2020“ finden vom 20. bis 28. Juni statt.

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