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Show in Gelsenkirchen: Die Rolling Stones lassen es auf Schalke mächtig krachen

Show in Gelsenkirchen : Die Rolling Stones lassen es auf Schalke mächtig krachen

Fast 80 – und kein bisschen müde: Die Rolling Stones machten im Rahmen ihrer Jubiläumstour „Sixty“ in der mit 45.000 Fans fast ausverkauften Gelsenkirchener Veltins-Arena Station.

An dem Videowürfel hoch über den Zuschauern und auf zahlreichen Banden der Gelsenkirchener Veltins-Arena steht der Sinnspruch der (Fußball-)Fans: „Wir leben Dich“. Dass das „i“ fehlt, ist gewollt. Es wird einfach mitgedacht. Man lebt und liebt Schalke. Und irgendwie könnte man sich für diesen Abend nicht mehr Symbolik vorstellen. Die Stones auf Tour, im 60. Lebensjahr der Band, auch das ist eine Liebesbeziehung der ganz besonderen Art.

Wie nähert man sich diesem Phänomen namens Rolling Stones? Mit gesunder Skepsis? Mit den üblichen Vorurteilen? Alte Männer ... Mit kritikloser Euphorie? So wie die mittelalte Dame in Block P, Reihe 31, Platz 27? Die schwenkt (fast) das ganze Konzert über ein rotes Pappherz über ihrem Kopf. Sie ist verliebt, ins Hier und Jetzt, ins Gestern und Heute. In Mick, Keith und Ron...

Die Stones leben (zum Teil noch), und sie „leben die Fans“. „Es ist toll, hier auf Schalke zu sein“, schmeichelt sich Mick Jagger, der am Vortag seinen 79. Geburtstag gefeiert hat, bei der Gemeinde ein. Und die jubelt, springt und tanzt. Selbst auf den teuersten Sitzplätzen – und die Preise sind fast, nein ganz sicher, unanständig hoch – bleibt niemand sitzen ...

Ziehen wir das Fazit ausnahmsweise einmal ziemlich früh: Es ist einfach großartig! Absolut! Eine Art Gesamtkunstwerk. Die Bühne ein Kunstwerk, die Videotechnik ebenso, der Sound so gut, wie es in der Fußballhalle (das Stadiondach ist geschlossen) eben geht.

Und die Band? Ja, wer ist diese Band eigentlich? Die Stones, das sind (noch) neben Mick Jagger Ron Wood (75) und Keith Richards (78). Der im vergangenen Jahr im Alter von 80 Jahren gestorbene Drummer Charlie Watts ist allgegenwärtig. Zu Beginn der Show gibt es Video-Einspieler aus seiner Karriere. Und Mick Jagger ruft: „Wir alle vermissen ihn sehr.“ In der Tat!

Aber diese drei älteren Herren sind eben nicht alles. Das ist mehr als Chronistenpflicht. Wer einen Chuck Leavel an den Keyboards sitzen hat und einen Steve Jordan an den Drums, kann sich glücklich schätzen. Insgesamt können sich die drei restlichen Steine auf eine achtköpfige Band verlassen, die präzise wie das sprichwörtliche Uhrwerk und mit absoluter Meisterschaft agiert. Die Stones auf die drei alten Recken zu reduzieren, wäre nur ein Teil der Wahrheit. Auf allen Touren bisher – und auch an diesem Abend auf Schalke.

 Auf Sitz- und Stehplätzen ungeteilte Meinung: Die Fans lieben nicht nur Keith, die Fans lieben die Stones... Seit 60 Jahren.
Auf Sitz- und Stehplätzen ungeteilte Meinung: Die Fans lieben nicht nur Keith, die Fans lieben die Stones... Seit 60 Jahren. Foto: Tim Griese

Aber natürlich! Interessiert den Fan, wer in die Tasten oder auf die Trommel haut? Nicht wirklich. Jagger, Richards und Wood werden gefeiert. Und sie feiern die Fans. Das ist das System Stones – und irgendwie ist es auch gut so. Vom Opener „Street Fighting Man“ bis hin zu den Zugaben – natürlich „Sympathy for the Devil“ und „Satisfaction“ – arbeiten sich die Stones durch ihr vornehmlich schon Jahrzehnte altes Repertoire. Die „Honky Tonk Women“ sind natürlich dabei, die „Wild Horses“ und der „Midnight Rambler“. Den Klassiker „Gimme Shelter“ singt Jagger im Duett mit Sängerin Sasha Allen auf dem Steg, der die beiden mitten in das Stadion führt. Bei „Miss You“ bekommen die Saxofonisten Tim Ries und Karl Denson ebenso einen fulminanten Solopart wie Bassist Darryl Jones. So viel Verneigung vor den Mitstreitern muss sein.

Von Weitem müsste man Jagger, Wood und Richards für Jungspunde halten, nur die Nahaufnahmen auf den Videoscreens sind gnadenlos ehrlich. Aber die drei haben eine unglaubliche Energie, einen so unbändigen Spaß am eigenen Treiben, dass man sicher sein kann: Zum 70. Geburtstag der Band wird die Frau aus Block P wieder das Pappherz ins Stadion schleppen. Eine Liebeserklärung, die auf Schalke alle gut 45.000 Fans unterschreiben würden.

„You Can’t Always Get What You Want“ hat Jagger auch an diesem Abend gesungen. Falsch! Bei den Stones bekommt man alles, was man möchte!