„Aida“ in Lüttich: Musikalisch top, szenisch antiquiert

Oper „Aida“ in Lüttich : Musikalisch top, szenisch antiquiert

Mit Verdis populärer Oper feiert die Opéra Royal de Wallonie erneut einen Erfolg auf italienischem Terrain. Das gilt für Sänger, Orchester und Dirigentin. Und die Regie? Na ja.

Wer italienische Oper auf hohem musikalischen Niveau in hollywoodreifen Dekorationen und mit aufwendigen Kostümen genießen will, aber wenig Wert auf eine konzeptionell durchdachte und lebendig geführte Regie legt, ist mit der neuen „Aida“ der Lütticher Oper gut bedient. Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera begnügt sich als Regisseur wie gewohnt mit einer statischen Personenführung und verlässt sich auf die monumentalen Bühnenbilder von Jean-Guy Lecat. Diese vermitteln ein etwas antiquiertes, aber eindrucksvolles Szenario der Pharaonenzeit – wie aus einem Film der 1950er Jahre. Und die luxuriös geschneiderten Kostüme von Fernand Ruiz runden den klischeehaften Rückblick ins antike Ägypten würdig ab.

Eine inhaltliche Deutung sucht man vergebens. Auch mit dem problematischen Triumphmarsch hat Pralafera keine Probleme. Er postiert den Chor ganz schlicht im Hintergrund und die Solisten an der Rampe. Hinter der szenischen Zurückhaltung des Regisseurs steckt die Absicht, von der Wirkung der grandiosen Musik Verdis so wenig wie möglich abzulenken und den Sängern keine Steine in den Weg zu legen.

Musikalisch geht das Konzept auf. Erst recht mit einem so hochwertigen Ensemble wie in der Premiere. Allerdings gibt es auch eine Alternativbesetzung. Starke Impulse gehen von der Lütticher Musikchefin Speranza Scappucci aus, die für einen zügigen Ablauf sorgt und den dramatischen Nerv des Stücks stilsicher trifft, ohne die klanglichen Delikatessen zu vernachlässigen. In den großen Tableaus dreht die Dirigentin dynamisch mächtig auf, während sie die vielen intimen Szenen recht sängerfreundlich unterstützt. Es ist schade, dass ausgerechnet Elaine Alvarez mit ihrem in den Höhen recht steifen Sopran in der Titelrolle nicht ganz mit dem Niveau ihrer Kollegen konkurrieren kann. Dazu gehört auch Marcello Giordani als Radames mit seinem etwas robusten, aber kraftvollen und kontrolliert geführten Tenor. Zur Höchstform laufen Nino Surguladze als Amneris, Luca Dall’Amico als Ramphis und Lionel Lhote als Amonasro auf. Begeisterter Beifall für einen erneuten Erfolg der Lütticher Oper auf italienischem Terrain.