Aachen: Konzert mit Nemanja Radulovic in allen folkloristischen Farben

Orientalisch : Meisterkonzert in allen folkloristischen Farben

Es geht aufwärts mit der wiederbelebten Reihe der Meisterkonzerte in Aachen. Das war im zweiten Konzert an dem größeren Publikumszuspruch im Eurogress im Vergleich zu dem fulminanten Auftakt mit der Philharmonie Zuidnederland abzulesen.

Dabei war der Name des gastierenden Orchesters nicht einmal besonders zugkräftig: Das Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra ist ein relativ junges Ensemble, das sich seinen Platz auf den internationalen Musikbühnen erst noch erobern muss. Das Istanbuler Orchester trat mit seinem österreichischen Chefdirigenten Sascha Goetzel mit einem Programm dreier russischer Komponisten auf, das sich geographisch und stilistisch am orientalischen Teil Russlands orientierte und starke folkloristische Elemente aufwies.

Mili Balakirews orientalische Fantasie „Islamej“, ursprünglich ein wahnwitzig virtuoses Klavierstück, verwendet thematisches Material aus dem Kaukasus, ist aber in der Orchestrierung von Sergej Ljapunow zu einem Schlagzeug-gesättigten Reißer umgewandelt worden, dem das Orchester aus Istanbul nichts an folkloristisch lärmendem Schwung schuldig blieb.

Von internationalem Format

Wesentlich differenzierter geht es zu beim Violinkonzert von Aram Chatschaturjan, das thematisch sehr stark von der Folklore der armenischen Heimat des Komponisten geprägt ist. Hier stand mit dem serbischen Geiger Nemanja Radulovic ein Solist internationalen Formats zur Verfügung, der den Solopart mit seiner eingängigen Melodik und seinen aberwitzigen virtuosen Anforderungen mit blendender Technik, runder Tongebung, die sich mühelos gegen das groß besetzte Orchester behauptete, und mitreißendem Temperament meisterte. Perfekt gestaltete sich das Zusammenspiel mit dem hervorragend aufgelegten Orchester. Als Zugabe spielte Radulovic sehr sensibel die Sarabande aus Bachs d-Moll-Partita.

Um orientalisches Kolorit geht es auch bei Nikolai Rimsky-Korsakows Sinfonischer Suite „Scheherazade“, einem ungemein farbigen und virtuosen Orchesterstück, das das Istanbuler Orchester dem Publikum in einer umwerfend perfekten, spielfreudigen, dabei klanglich höchst differenzierten Aufführung präsentierte, die die hohe Qualität dieses Ensembles in allen Instrumentengruppen eindrucksvoll demonstrierte. Sascha Goetzels stringente und spannende Konzeption fand eine mitreißende, die vielen thematischen Wiederholungen geschickt überspielende Umsetzung und ließ das Orchester in allen folkloristischen Farben schillern. Die recht grob gestrickte Zugabe offensichtlich türkischer Provenienz wäre nach so viel grandioser und vom Publikum begeistert aufgenommener Musik verzichtbar gewesen.