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Musical „Flashdance“ feiert Premiere in Köln

Musical Dome : „Flashdance“ erobert in Köln die Musicalbühne

Ein Vergleich mit dem Kultfilm aus den 80er Jahren wäre unfair. Das Ensemble und die Liveband in Köln machen’s ordentlich.

Sich am Vorabend einer Musical-Premiere den Film anzusehen, auf dem sie basiert, ist prinzipiell keine schlechte Idee. Aber im Fall von „Flashdance“, 1983 im Kino, auch ziemlich unfair. Wenn die Geschichte um Schweißerin Alex, die nachts als Go-go-Girl arbeitet, sich in ihren Chef im Stahlwerk verliebt und am Ende eine „richtige“ Tänzerin wird, im Kölner Musical Dome über die Bühne geht, schieben sich immer wieder Bilder aus dem Film dazwischen.

Perfekte Bilder in Videoclip-Optik, mit Darstellerinnen in perfekter Aerobic-Optik – flache Bäuche, straffe Schenkel, stramme Pos – die allesamt perfekt tanzen. Fürs Finale (Alex überzeugt zum Titelstück „Flashdance“ die Jury einer Top-Akademie) wurde die damals 19-jährige Jennifer Beals gleich dreimal gedoubelt. Von einer Profi-Tänzerin, einem Breakdancer und einer Turnerin. Da kommt niemand in Echtzeit auf der Bühne mit.

Zumal Beals und die anderen nicht singen mussten. Dafür waren Irene Cara, Laura Branigan oder Donna Summer zuständig. Also weg mit den Filmbildern! Aber vorher vielleicht noch mal kurz darüber nachdenken, was die perfekten Plastik-Barbie-Girls 1983 in den Gemütern pubertierender Mädchen angerichtet haben mögen. Tänzerinnen, die durchaus mal ein Speckröllchen haben dürfen, erzeugen keine Minderwertigkeitskomplexe.

Unterm Strich ist die Überarbeitung der deutschsprachigen, teils auch deutsch gesungenen, „Flash­dance“-Musicalproduktion kein Flop. Man kann sich zwar teilweise an den Texten stoßen („Was du willst, kannst du werden, wirst vor Angst nicht sterben“) oder bemängeln, dass das Bühnenbild im Grunde nur aus einer Stahlkonstruktion besteht, hinter der Einspieler auf LED-Wände projiziert werden. Aber das Ensemble leistet ordentliche Arbeit, desgleichen die Liveband. Auch die Geschichte reißt mit und rührt erneut die Herzen. Auch wenn der nette Pitbull aus der Verfilmung fehlt.

Maria Danaé Bansen bringt die Doppelexistenz von Alex, hier selbstbewusste Facharbeiterin, da sexy Schöne der Nacht, die vom Ballett träumt, glaubwürdig rüber. Ihre Stimme allerdings klingt mitunter arg schrill. Lieber hört man da zu, wie sich Milena Sophia Hagedorn als „Männerjägerin“ Kiki profiliert oder geht mit Eveline Gorter als Tess bei „I Love Rock’n’Roll“ durch die Decke.