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Aachen: Museumstag regt Einrichtungen der Region zu zahlreichen Aktivitäten an

Aachen : Museumstag regt Einrichtungen der Region zu zahlreichen Aktivitäten an

Turbulenzen garantiert. Wenn am 13. Mai weltweit der 41. Internationale Museumstag begangen wird, feiert man in Deutschland, wo die Idee seit 1977 für Aktivitäten und kostenfreie Angebote sorgt, unter dem Motto „Netzwerk Museum: Neue Wege, neue Besucher“ — und das auch in den Einrichtungen der Region.

Die Aachener Museen haben sich einiges vorgenommen, in der Städteregion gibt es Programm und gleichfalls im Heinsberger Begas Haus sowie im Dürener Leopold-Hoesch-Museum plant man etwas Besonderes — unter anderem „Tanz inklusiv“ und „Papier schöpfen“.

Den „Städteregionalen Familientag“, der regelmäßig wandert, wird in diesem Jahr das Centre Charlemagne Aachen unter der Devise „Inklusiv“ ausrichten. Dort nehmen die Veranstalter die Inklusion wörtlich, auch in der Kreativ-Werkstatt, wo Kaiser Karls Palastkatze Griseldis und Rabatz, die Hofratte, auf Kinder und Erwachsene warten, die neugierig darauf sind, wie man im Mittelalter gelebt hat.

In kleinen Säckchen duften Gewürze, das schwere Kettenhemd zeigt, was ein Ritter so schleppen musste. „Es ist wichtig, solche Erfahrungen zu sammeln, die Sinne anzusprechen und in unseren Workshops mit Spaß eigenhändig etwas zu tun“, sagt Museumspädagogin Pia vom Dorp, die zusammen mit ihren Kollegen dem inklusiven Familientag viele Facetten verleiht.

Das „Museum für alle“ ist für sie ein Auftrag, und so sind eine Führung für Gehörlose und Hörende, für Blinde, Sehbehinderte und Sehende, sowie Informationen in einfacher Sprache vorgesehen. Das Hörgeschädigtenzentrum Aachen macht mit, es gibt „Taststationen“, an denen man Stoffe und Objekte — etwa eine Fischreuse oder einen Imkerkasten — befühlen darf und soll.

In Zusammenarbeit mit der Theaterschule Aachen gibt es in Gebärdensprache die Aufführung von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“, die in gesprochene Sprache übersetzt wird. Im Grashaus, dem außerschulischen Lernort, dürfen alle Generationen etwas über die „Station Europa“ und speziell das Thema „Grenze und Migration“ erfahren.

Mit dem Katalog eines bekannten schwedischen Möbelhauses im Gepäck führt Kunsthistorikerin Belinda Petri durch das Couvenmuseum und beweist, dass man schon im 19. Jahrhundert Möbel nach heutigen Prinzipien zusammengebaut hat. Im Zeitungsmuseum geht es um Verschwörungstheorien und das Suermondt Ludwig Museum plant Mitmachangebote zur Schau „Gestatten, Suermondt!“.

Mit der Ausstellung zum Thema 1968 punktet das Ludwig Forum für Internationale Kunst, wie Kurator Holger Otten verspricht. „In unseren Werkstätten wird gebastelt, in der Ausstellung hoffen wir auf spontane Dialoge und erhitzte Gemüter“, meint er. „Unsere Museumsführer sind geschult und vor Ort, sie fordern aktiv zum Gespräch auf.“ Was ist von 1968 geblieben? „Wir hoffen, dass uns das Besucher erzählen“, betont Otten.

Warum gibt es Museumstage? „Frontalunterricht funktioniert nicht mehr so gut, die visuelle Kompetenz der Jugendlichen lässt nach“, weiß Pia vom Dorp. Mit der Schere etwas ausschneiden, knoten oder knüpfen — da hapert es oft bei Kindern. Und Otten ergänzt: „Immer mehr Schüler können Farben nicht mehr benennen.“

Inzwischen sind nicht nur Kinder sondern auch alte und von Demenz betroffene Menschen eine Klientel für die Museumspädagogen. „Wir brauchen viel mehr Vermittler“, betont Pia vom Dorp. „So ein Museumstag macht Sinn, da lassen sich Schwellenängste abbauen, und wir zeigen als Pädagogen, wie viel wir können.“

(sar)