München: Münchner Philharmoniker: Bayern-Hymne wird zum Youtube-Hit

München : Münchner Philharmoniker: Bayern-Hymne wird zum Youtube-Hit

103.561 Aufrufe allein bis Dienstagnachmittag: Die Münchner Philharmoniker haben auf Youtube innerhalb von zwei Tagen einen Hit gelandet, der noch tüchtig weiter zünden dürfte. Dabei ist das auf der Videoplattform hochgeladene „Werk“ weder von Beethoven noch von Wagner, sondern eine eigene Kreation: „Mia san mia“ — so lautet der Titel.

Unterzeile: „Die Münchner Philharmoniker wünschen dem FCB viel Glück im Finale“. Und dann geht es los: Lorin Maazel, der Maestro, dirigiert das Orchester — im Bayerntrikot. Gleich mehrere Chöre schmettern dazu.

Eine tolle Geste!

Was für eine tolle Geste! Da steht der FC Bayern München vor einem historischen Champions-League-Finale im Londoner Wembley-Stadion — ausgerechnet und nie dagewesen gegen eine andere deutsche Mannschaft, Borussia Dortmund — und die absolute Elite der Hochmusik lässt Mozart & Co. Mozart sein und wünscht gutes Gelingen. Auf ihre Weise: mit einer selbst kreierten Hymne auf den heimischen Erfolgsverein.

Der Initiator war selbst total verblüfft und überrascht, dass Lorin Maazel, seit 2012 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, das Spiel so ohne Weiteres mitgemacht hat. Matthias Ambrosius, seit 2010 als zweiter Klarinettist Mitglied des Orchesters, hatte sich das Ganze mit seinem Freund Thomas Berg, einem in Köln geborenen Münchner Musikmanager, der selbst ein preisgekrönter Trompeter ist, zusammen ausgedacht. „Wir hatten das einfach als Geschenk an den Bayern München gedacht.“

Zurück von der Asientour

„Wir waren gerade von einer Asientournee zurückgekehrt“, erzählt Ambrosius. „Und wir probten ‚Sacre du printemps‘ von Strawinsky — mit dem Riesenorchester und den ganzen Chören. Das Arrangement hatte ich deshalb vorher ganz bewusst extra auf die Riesenbesetzung zugeschnitten.“

Dann der Moment, als Maazel den Probensaal betrat — ein Teil des Orchesters saß da im Bayerntrikot. Maazel — im weißen Anzug. „Er bekam einen Riesenschrecken. Aber wir sagten ihm, dass wir da noch ein Bayerntrikot übrig hätten. Und tatsächlich: Er hat es wirklich selbst übergezogen.“ Der Göttergleiche im Fußballdress: So ungefähr muss es den Orchestermusikern in dem Moment vorgekommen sein, denn Maazel — das offenbart Ambrosius ganz unumwunden und dürfte so auch in der einschlägigen Fachwelt bekannt sein — ist für gewöhnlich „absolut unnahbar. Völlig unerreichbar“.

Ambrosius allerdings hatte sehr gute Karten: „Auf der Asientour habe ich ihm eine Oper umgeschrieben.“ Was der zweite Klarinettist und Bayern-Fan nicht für möglich gehalten und allenfalls vage gehofft hatte: „Es hat ihm richtig Spaß gemacht.“ „Frühester Meister aller Zeiten, Schweini, Müller, Lahm, Ribéry“ — dem Opernchor und dem Philharmonischen Chor sind solche Zeilen jedenfalls vorher noch nicht im Entferntesten über die Lippen gekommen.

„Total ausgeflippt“

Und was haben die Stars des FC Bayern München selbst dazu gesagt? Ambrosius: „Die sind total ausgeflippt.“ Die hatten dann auch die Idee, das Ganze auf Youtube zu stellen.

„Das Orchester hat einen sehr engen Kontakt zur Stadt“, erzählt Ambrosius. „Da wollten wir auf diese Weise einfach mal zeigen, wie ähnlich sich Sport und Orchestermusik sind.“ Selbst ein kleines Hochziehen der Augenbraue des Dirigenten „ist für jeden Musiker ein wichtiges Zeichen, das jeder Einzelne genau wahrnimmt und darauf reagiert. Die Gruppenintelligenz von Fußballspielern, die auf den Trainer reagieren, und Orchestermusikern ist sehr ähnlich“.

Die Musik von „Mia san mia“ passt jedenfalls wie die Faust aufs Auge zu dem bevorstehenden Ereignis: „God save the Queen“ — logo — darf schon mal gar nicht fehlen, deshalb geht es damit auch los. Dann kommt erst die Bayernhymne und dann die offizielle Hymne der Champions League.

Georg Friedrich Händel hätte es sich wohl kaum träumen lassen, dass eine seiner „Coronation Anthems“, eine seiner Krönungsmessen, „Zadok the Priest“, die ihm der britische König Georg II. anlässlich seiner Krönung 1727 in Auftrag gegeben hatte, einmal die Erkennungsmelodie eines Fußballturniers sein würde.

„Mia san mia“ und Händel — beide sind eben doch nur zwei Seiten einer Medaille...

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