Aachen: „MozARTè“: Eröffnungskonzert des Klavierwettbewerbs

Aachen : „MozARTè“: Eröffnungskonzert des Klavierwettbewerbs

Es stand nicht gut um den 12. Internationalen Klavierwettbewerb „MozARTè“, den die Aachener Professoren Andreas Frölich und Ilja Scheps jetzt in Aachen ausrichten.

Dem Einsatz verschiedener Sponsoren ist es zu verdanken, dass der renommierte Wettbewerb jetzt bis zum kommenden Freitag wenigstens in abgespeckter Form durchgeführt werden kann.

An der Qualität und dem Niveau der Kandidaten und Juroren ändert sich dadurch nichts. Allerdings muss man diesmal auf die Mitwirkung eines Orchesters verzichten, was die Außenwirkung ein wenig trüben könnte.

Daran allein lag es gewiss nicht, wenn sich zum Eröffnungskonzert in der Musikhochschule weniger Besucher einfanden als in den letzten Jahren. Die drückende Hitze tat ihr Übriges. Bevor die Reihenfolge der 38 aus aller Herren Länder eingetroffenen Kandidaten ausgelost wurde, stellten sich die Jury-Mitglieder Philippe Raskin und Giuliano Mazzocante mit zwei halbstündigen Solo-Recitals dem Publikum.

So unterschiedlich sich die Programme zusammensetzten, so einig waren sich beide darin, die Möglichkeiten des Klaviers von zarter Beseeltheit bis zu orchestraler Opulenz anschaulich zum Klingen zu bringen. Das sprengte bisweilen die akustischen Grenzen des Kammermusiksaals, wenn der Belgier Raskin die Sarkasmen Sergej Prokofieffs geradezu brutal in die Tasten donnerte oder der Italiener Giuliano Mazzocante Liszts Bearbeitung von „Isoldes Liebestod“ klanglich so weit auffächerte, als wollte er ein ganzes Orchester ersetzen.

Ein Wechselbad aus poesievoller Sensibilität und bisweilen ruppigem Zugriff ließ Mazzocante zuvor mit Chopins stilistisch vielschichtiger Fantasie in f-Moll op. 49 hören. Der Zauber der Musik wurde spürbar, aber immer wieder durch unnötig harte Attacken gefährdet.

Dabei bewies Mazzocante mit einer sorgfältig phrasierten Sonate von Joseph Haydn, dass er über eine ausgefeilte Anschlagskultur verfügt. Das gilt auch für Philippe Raskin, der ebenfalls mit Haydn startete, sich dann aber auf kraftstrotzende Stücke seines Landsmanns Jean Absil und den kantig interpretierten Sarkasmen Prokofieffs konzentrierte.

Ein spektakulärer Auftakt für eine Woche eines intensiven pianistischen Kräftevergleichs. Die Wertungsspiele in der Musikhochschule sind öffentlich. Die Programme können die Kandidaten frei gestalten, lediglich in der zweiten Runde ist ein frei gewähltes Werk von Mozart Pflicht. Öffentlich zugänglich ist natürlich auch das Abschlusskonzert mit den Preisträgern am kommenden Freitag um 19.30 Uhr im Ballsaal des Alten Kurhauses.

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