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Köln: „Mozartband” in Köln: Schäferspielchen mit Schmäh

Köln : „Mozartband” in Köln: Schäferspielchen mit Schmäh

Das Publikum in der Kölner Philharmonie war so gespannt wie die Strapse von Mezzosopranistin Annette Koch. Die immerhin hatte man vorab schon mal in einem Spiegel-Artikel bewundern können, nebst so schwärmerischen Attributen wie „schön”, „hinreißend” und „delikat”.

Letztere allerdings galten nicht der blonden Diva und ihrer feschen Wäsch, sondern der Wiener Mozartband, die sich anschickt, den Wunderknaben aus Salzburg kräftig gegen den Strich zu bürsten.

Wolfgang Amadeus, so „Mozartband”-Leader und -gründer Wolfgang Staribacher, war nicht nur genialisch, sondern „auch ein lustiger, frecher Kerl”. Was so neu indes nicht ist, denn schon Falco selig blieb der Punk in Amadeus nicht verborgen.

Staribacher tourt derzeit mit einem Mozartschen Frühwerk durch die großen Häuser der Republik. „Soul”, eine Musiktheater-Performance frei nach der Serenata „Il re pastore”, von der er schon 2000 in Aachen eine Version präsentierte, wurde in der Kölner Philharmonie uraufgeführt.

Für die Wiener Melange aus Klassik, Ethno, Jazz und Rock braucht es zehn Musiker und eine Schäferspiel-Oper, die 1775 der 20-jährige Wolfgang im Auftrag von Erzbischof Hieronymus anläßlich des Besuchs von Erzherzog Maximilian, dem jüngsten Sohn Maria Theresias, vertonte.

„Der König als Hirte” beginnt mit Glitzerstaub und Grubenlampe, dem Klacken eines Metronoms, das sich vervielfältigt und vielen weißen Rosen, die Sopranistin Barbara Karolyi im neckisch Bein freien, blaugrünen Schäferinnenkostüm über die Bühne verstreut.

Dass immerhin ist schrill und erfüllt Erwartungen. Gut anderthalb Stunden lang spielt die Mozartband ohne Pause 14 Lieder, die mal als rockige Ouvertüre, mal als schmalziges Duett und mal als folkloristische Arie daher kommen. Dem Publikum gefällt soviel Wiener Schmäh, es dankt artig nach jeder Nummer mit Applaus und lässt sich hinterher mit Zugaben verwöhnen.

Doch trotz Plexiglasabschirmung des Schlagwerks wollen Bratsche und E-Bass, Fagott und E-Piano nicht so recht zusammen kommen, und klassisch ausgebildete Sänger mit Mikrofonen sind eh ein Unding.

Die (siehe oben) bestrapste Annette Koch schmelzt sich dennoch als verführerisches Drachenweibchen ganz ganz schnell in die Herzen ihrer Zuhörer und singt die sanfte Sopranistin Barbara Karolyi glatt an die Wand.

Tenor Christian Wolf wirkt dagegen eher gelangweilt, wäre der Mann in Wirklichkeit Hirte, ihm könnte der Wolf sämtliche Schäfchen reißen, ohne dass es ihm auffiele. Optisch hat die Mozartband immerhin einiges zu bieten, viel Samt und Seide, Rüschen und Röcke, letztere von Männern getragen.

Zum rechten Rock gereicht das trotzdem nicht. Was da gespielt wird, ist nicht Fisch und nicht Fleisch und hört sich, in den schwächsten Momenten, an wie „Rondo Veneziano” nach einer Frischzellenkur. „Frech, beißend, mitreißend” hat hymnisch die „Süddeutsche Zeitung” geurteilt, nachdem die „Mozartband” mit ihrer Show „König des Glücks” ganz groß raus kam.

Bei „Soul” hofft man auf derlei vergebens. Hier wird nichts gerissen, noch nicht einmal ein Straps der Mezzosopranistin.