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Aachen: „Monsters Ball”: Packende Geschichte um einen amerikanischen Henker

Aachen : „Monsters Ball”: Packende Geschichte um einen amerikanischen Henker

Mit dem Oscar für Hauptdarstellerin Halle Berry und einer freizügigen Liebesszene machte „Monsters Ball” (USA 2001, 112 Min. FSK ab 16) zu Anfang des Jahres Furore. Doch die Qualitäten dieses erschütternden Films liegen woanders.

Eine atemberaubende Wandlung macht Hank Grotowski (Billy Bob Thornton) mit: Aus einer Familie von Gefängnisaufsehern und Henkern stammend, kümmert er sich auch um die Strafe für den schwarzen Mörder Musgrove.

Es wird der „Monsters Ball” begangen, der Abend vor einer Hinrichtung. Mit erschreckender Professionalität bringt er die Sache hinter sich, erst als sein Sohn Sonny, der mit ihm im Hinrichtungsteam arbeitet, einen Fehler macht, dreht Hank auf brutale Weise durch.

Das frustrierende Leben dieses Südstaatlers wird sich ausgerechnet durch eine Begegnung mit Leticia (Halle Berry), der Witwe seines „Kunden” Musgrove, radikal ändern.

Der verschlossene Mann realisiert das rassistische Erbe seines Vaters, der trotz seiner Bettlägerigkeit noch eifrig Hass predigt. Die Abwendung seines Sohnes kann Hank nicht mehr verhindern, doch langsam ändert er sein Leben durch die Kraft einer gewaltigen Leidenschaft...

Mit ruhigen, aussagekräftigen Szenen erzählt der in der Schweiz geborene Marc Forster eine packende, sehr intensive und vor allem ungewöhnliche Geschichte. „Monsters Ball” enthält eine erschreckende Ansammlung gewalt- geladener Typen. Eine Atmosphäre von Hass herrscht zwischen den Generationen, den Geschlechtern und den Hautfarben.

Halle Berry verkörpert gewaltige Emotionen

Der Rassismus ist allgegenwärtig - da wird der elektrische Stuhl selbstverständlich am einzigen schwarzen Kollegen getestet. In drei Generationen von Henkern liegt eine ungeheure Spannung: Der Vater ist noch „stark”, der Sohn schon „schwach”.

Die aufgeladene Atmosphäre entlädt sich in einer leidenschaftlichen Liebesszene, die für die US-Version des Films eifrig beschnitten wurde. Halle Berry verdiente sich ihren Oscar für die Rolle der Leticia mit der Verkörperung gewaltiger Emotionen angesichts schrecklicher Schicksalsschläge, die locker mit griechischen Tragödien mithalten können.

Auch Billy Bob Thornton („The Man Who Wasnt There”, „Swing Blade”) begeistert mit seinem Spiel. Man hat das Gefühl, diese exzellenten Akteure haben gerade auf so einen außergewöhnlichen Film gewartet, um gewaltige Energien zu verströmen, die niemanden ungerührt lassen werden (ab Donnerstag: Aachen, Atlantis).