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Aachen: Monolog eines abgewrackten Lehrers

Aachen : Monolog eines abgewrackten Lehrers

„The Blackboard Jungle” hieß ein starker US-Kinofilm mit Glenn Ford und einer Handlung, die bereits Mitte der 50er Jahre wachsende Aggression und Kriminalität in den Schulen anprangerte. Doch während in „Die Saat der Gewalt” (deutscher Titel) der Berufsschullehrer Dadier alles versucht, um die renitente Klasse für sich zu gewinnen und den kriminellen „Schultafel-Dschungel” zu roden, geht Studienrat Klamm in Kai Hensels Stück „Klamms Krieg” einen völlig anderen Weg.

Das 2002 mit dem Deutschen Jugendtheaterpreis ausgezeichnete „Klassen-Kampf”-Drama zeigt einen völlig überforderten Lehrer, der längst kein Pädagoge mehr ist, vielleicht auch nie einer war.

Schrecklich traurig

Nach dem Selbstmord eines Schülers, der in der Abiturprüfung keine ausreichende Punktzahl erreichte, gibt die Klasse ihm die Schuld und erklärt Klamm den Krieg - durch Schweigen, Unterrichtsboykott und Verachtung.

Eine Schulstunde, fast in Echtzeit, dauert das Monologstück, das jetzt - in authentischem Klassenraum-Ambiente (Bühne Maria Mahler) - Premiere im Mörgens hatte, bevor es in verschiedene Aachener Gymnasien zieht. In den Schulbänken hocken außer Publikum und Kritikern auch etliche Theatermenschen - wie ein lebensechtes Bild der Schülerschaft.

Der Schwerpunkt liegt auf dem Spielort Schule, und so passt denn auch die immer wieder geöffnete Tür, durch die der Lehrer Klamm wieder und wieder ein- und abtritt. Schrecklich komisch und schrecklich traurig durchläuft der Schauspieler Jens Wachholz (mit dicker Hornbrille und Gel im Haar) diese „Stationen” eines Mannes im Ausnahmezustand, der kein gutes Ende bringen kann. Wachholz hat auch die Neueinrichtung nach der Inszenierung von Hanspeter Bader am Theater Biel-Solothurn besorgt, dramaturgisch unterstützt von Thomas Fiedler und Katrin Eickholt.

Zwischen Verzweiflung und Lächerlichkeit, schleimiger Anbiederung, perfider Gemeinheit und Resignation wird „Klamms Krieg” zur Obsession eines längst Abgedrifteten, der seine Schüler hasst und die Kollegen bespitzelt. Autor Kai Hensel, der in Aachen auch mit „Welche Droge passt zu mir?” (Petra Welteroth in einer Paraderolle) einen fulminanten Erfolg feiern konnte, hat hier mit pointierter Sprache, zuweilen auch kunstvoll derbem Vokabular und (vielleicht) der Skizzierung eines Burnout-Syndroms einen modernen „Professor Unrat” geschaffen, der nicht nur an seinen Schülern scheitert, sondern am Leben, an sich selbst.

Kein „Blauer Engel” taucht allerdings bei Klamm auf, höchstens der Teufel aus der Schnapsflasche. Freundlicher Beifall bei einer Premiere mit sympathischer Generalproben-Atmosphäre und vielen Theaterleuten.