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Monty-Python-Film als Musical : Schwarzer Humor liegt nicht jedem

Wenn schon in der Pause die Reaktionen des Premierenpublikums unversöhnlich aufeinanderprallen, spricht die Kritik gern von einem Theaterabend, der polarisiert. In Mönchengladbach reichten die Meinungen über „Monty Pythons Spamalot“ von „ich lach’ mich schlapp“ bis „kann ich nichts lustig dran finden“.

Das könnte natürlich mit dem schwarzen Humor zu tun haben, mit dem die britische Komikertruppe in Filmen wie „Die Ritter der Kokosnuss“ die Welt in Fans oder eben Monty-Python-Hasser spaltete. Hat es aber nicht.

Eher mit divergierenden Anspruchshaltungen an eine Kulturinstitution. Und vielleicht auch damit, was Regisseurin Christine Hofer und ihr Team aus der Vorlage gemacht haben. Ulkig sollte es sein. Die Grenzen des guten Geschmacks strapazieren. Tuntig. Trashig. Die Pointen so doof, dass einem der Finger in der Nase stecken bleibt. Und dazu noch ein Musical. Am liebsten eins, das sich selbst rechts überholt. Schau’n wir mal.

Ach ja, da kommen sie hereingehoppelt: Adrian Linke im Kettenhemd des König Artus im Verein mit seinem treuen Rappen Patsy, dem Henning Kallweit den kokosnussenen Hufschlag beigibt. Artus’ grandezzahafte Naivität, des Pferdes Mienen-, Körper-, Klapperspiel: lustiger noch fast wie in echt. Der König sucht Ritter zum Mitmachen, findet den hasenfüßigen Sir Robin (der brillant tapsige Paul Steinbach), den sehr, sehr blondgelockten Sir Galahad (Ronny Tomiska kann schreiend komisch sein), den flatulenten Sir Bedevere (Philipp Sommer), Sir Lancelot (Michael Ophelders), der sich mit bezaubernd französischem Akzent hervortut.

Mit von der Partie sind in Person von Esther Keil eine ominöse Fee aus dem See, die sich nicht nur als Auftraggeberin für die abendfüllende Grals-Suche entpuppt, sondern auch immer mal wieder als Diva des Musical-Ensembles hervortut. Fehlt noch der Fachmann für historische Zusammenhänge, als welcher Intendant Michael Grosse profund sachwaltet.

Dem werten Publikum wird eine Menge geboten: Eine Ausstattung (Udo Hesse), die betont improvisiert die verschiedenen Orte der Handlung kenntlich macht. Das Kostüm (Anne Weiler) fleddert lustvoll den Fundus, als technische Hilfsmittel erweisen sich ein Beamer und ein Overhead-Projektor als wertvoll. Nur bei der Musik ist ein Fauxpas passiert: Der Orchestergraben, in dem Jochen Kilian eine siebenköpfige Band befehligt, wirkt auf der Szene als Dauer-Stolperfalle. Außerdem wirken die auf den Punkt arrangierten Musiknummern irgendwie befremdlich perfekt in einer Geschichte, die von einer Katastrophe zur nächsten Peinlichkeit strauchelt.

 Die Akteure auf der Bühne geben ihr Bestes. Esther Keil zum Beispiel haut tolle Gesangsnummern raus. Michael Grosse findet selbst als dickes Muttchen noch zum lasziven Hüftschwung. Und Henning Kallweit spielt sich mit seiner Lust am Pferdedasein in die Herzen der Zuschauer. Der Hit „Always look on the bright side of life“ darf natürlich auch nicht fehlen, auch wenn das im falschen Film spielt. Dass manche Besucher sich dennoch wenig amüsieren, liegt wohl daran, dass Monty Pythons Humor immer eine Ecke deftiger und zugleich feinsinniger ist, als das, was das Gladbacher Schauspielensemble draufhat. Klamauk ist eben keine Alternative, würde der Philosoph sagen.

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