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Düsseldorf: Modebranche gegen Schlankheitswahn: Magermodels nicht gefragt

Düsseldorf : Modebranche gegen Schlankheitswahn: Magermodels nicht gefragt

Die deutsche Modebranche will die Bundesregierung im Kampf gegen Essstörungen bei jungen Frauen unterstützen. Mode- und Modelverbände sicherten Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Montag auf der Igedo Fashion Fairs in Düsseldorf zu, an einem Kodex „gegen den Schlankheitswahn” mitzuarbeiten.

Allerdings: Die viel beschriebenen „Magermodels” sind aus Sicht der Branche in Deutschland kein Thema. „Bei uns ist 40/42 die bestverkaufte Größe”, sagt etwa der Hauptgeschäftsführer des Modeindustrieverbands German Fashion, Thomas Rasch. „Da wäre es ja geradezu dämlich, das Bild eines Magermodels zu transportieren.”

Superdünne Models seien in Deutschland überhaupt nicht gefragt, bestätigt auch Torsten Fuhrberg vom Verband lizenzierter Modellagenturen (VELMA). „Das sieht man eigentlich nur bei internationalen Schauen von Top-Designern, aber die werden ja nicht in Deutschland veranstaltet.”

Jedoch würden Bilder solcher Modenschauen im Fernsehen und in Zeitschriften gezeigt. „Darum sind vor allem die Medien in der Verantwortung”, meint Fuhrberg. Der Geschäftsführer der Igedo Company, Frank Hartmann, betont, Ess- Störungen seien ein „gesamtgesellschaftliches Problem”, nicht nur das der Modeindustrie. „Aber die Mode ist ein Teil der Gesellschaft.”

Rund 600.000 Menschen zwischen 15 und 35 Jahren sind in Deutschland nach Angaben von Schmidt an Magersucht oder Bulimie erkrankt. „Viele von ihnen eifern Schönheitsidealen nach”, sagt die Ministerin. „Erfolg ist immer noch mit Schlankheit verbunden.” Ziel der im Dezember von der Bundesregierung gestarteten Initiative sei es, dieses Denken zu ändern.

Ein solcher Wandel hat nach Ansicht von Experten schon begonnen. „Wir haben den Trend zu einer neuen Weiblichkeit”, sagt die Präsidentin des Deutschen Mode-Instituts, Ulla Ertelt. „Es gibt viele junge Frauen, die mit neuem Selbstbewusstsein auftreten, Kleider tragen und bewusst ,Frau sind.” Will heißen: Statt übertriebener Dünnheit wird das Bekenntnis zur weiblichen Figur wieder wichtiger. Auch „die Ikonen des neudeutschen Fräuleinwunders”, Heidi Klum und Claudia Schiffer, seien alles andere als mager, betont Ertelt.

Der Verband Deutscher Mode- und Textildesigner (VDMD) hat nach Angaben von Geschäftsführerin Mara Michel bereits seit längerem einen eigenen Ehrenkodex zum Thema Magermodels. „Er besagt, dass die Designer das schon bei ihren Entwürfen auf dem Papier im Kopf haben. Sie sollen keine "Striche in der Landschaft" zeichnen.”

Was der von der Bundesregierung angestrebte Kodex konkret beinhalten soll, ist noch unklar. Die Aufnahme von Mindest- Konfektionsgrößen etwa lehnen Branchenvertreter ab - schon allein wegen der unterschiedlichen Größen-Tabellen in Europa. Einig sind sich aber alle darin, dass sie die Gefahren von Ess-Störungen verstärkt zum Thema machen wollen, auch bei internationalen Tagungen. „Wir müssen Kinder und Jugendliche stark machen - so wie sie sind”, sagt Schmidt.