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Aachen: Mit viel Talent, harter Arbeit und Respekt

Aachen : Mit viel Talent, harter Arbeit und Respekt

Seit fünf Minuten hält Sebastian Gäbel seine Zigarre mal in der rechten, mal in der linken Hand. Es ist kurz vor Showbeginn. Nach Stationen wie Hamburg und Berlin, vor Konzerten in Barcelona, Paris und London steht Aachen auf der Tourliste.

Und während der fürs Management zuständige Gäbel auf der Treppe zum Backstage-Bereich im Eurogress so da steht, den noch frischen Stummel in Händen hält und von dem Projekt „The Göteborg String Theory” erzählt, rauschen Musiker beständig an ihm vorbei die Treppen auf und ab. Es ist recht umtriebig, während im Brüssel-Saal das vorfreudige Gemurmel anschwillt. Denn auf der Tour mit José González, der als Solokünstler und als Kopf der schwedischen Formation Junip bekannt geworden ist, stehen fast zwei Dutzend Musiker mit Geige, Kontrabass, Querflöte oder Percussions auf der Bühne.

Das ist für die „String Theory” normal, sagt Gäbel, rollt die Zigarre wieder über die Fingerkuppen und erzählt von den Anfängen vor wenigen Jahren in einem Keller in Berlin-Kreuzberg bis zum heutigen Netzwerk von rund 180 befreundeten Künstlern, die in immer wechselnden Formationen Workshops und Konzerte geben sowie als Musiker, Videomacher oder auch als Produzenten oder Soundmischer zu dem Projekt mit den geografischen Standbeinen Berlin und Göteborg gehören. „Mal ist es nur ein Streicherquartett, mal kann es ein ganzes Orchester sein, das wissen wir im Vorfeld nie so genau”, sagt Gäbel, der indes sehr genaue Vorstellungen davon hat, warum das Projekt funktioniert und Erfolg hat. „Es geht nicht ums Geld, es geht nicht um Namen, wir sind alle gleichberechtigt”, sagt er. Man sollte es basisdemokratisch nennen, wie es der Dirigent Patrick Christiansen tut, der unter dem Künstlernamen Nackt firmiert. Und nachdem Gäbel schließlich die Zigarre an die Wand drückt und mit scharfer Klinge köpft, kommt er zum wahren Kern des Projekts: „Es geht um viel Talent, um viel harte Arbeit und um Respekt vor den anderen in der Gruppe, dann kommen Spaß und Erfolg.”

Dass dies keine Floskeln sind, bezeugen in den kommenden fast zwei Stunden gefesselte und schon früh begeisterte 400 Zuhörer im ausverkauften Saal. Nackt, der über Monate hinweg die Stücke von José González und Junip, aber auch Coverversionen von Kylie Minogue und Massive Attack für die Tour arrangiert und mit seinen Kollegen einstudiert hatte, führte das Ensemble voller Hingabe durch ein Set, das nichts mit einem herkömmlichen „Pop meets Klassik” zu schaffen hat. Mal poppig, mal klassisch, mal industriell, mal modern-orchestral, mal triphopig gelingt ein eigenes Format, „das alle Teile gleichberechtigt wertvoll zur Geltung kommen lassen soll”, sagt Nackt nach Zugabe und frenetischem Applaus mit einem Glas Weißwein in der Hand.

Und der 35-Jährige freut sich auf seinen nächsten Besuch in Aachen im Sommer. Denn nach Göteborg und Berlin wird es eine „The Städteregion Aachen String Theory” geben. „Ich bin gespannt, was die Region drauf hat”, sagt Nackt, der im Rahmen des Kulturfestivals der Städteregion Songs regionaler Bands in Workshops umarrangieren wird.

Gesucht werden für das Projekt Musiker, die Teil des Orchesters werden wollen, und eben Bands, die Interesse an einer Zusammenarbeit haben. Interessierte können sich bei der Projektleiterin Dr. Nina Mika-Helfmeier per Mail an nina-mika-helfmeier@staedteregion-aachen.de bis zum 15. Mai anmelden.

Weitere Infos gibt es unter 0241/5198-2664. Der kostenlose Workshop samt Abschlusskonzert findet vom 11. bis 16 Juni statt.