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Aachen: Mit überwältigendem Musikantentum

Aachen : Mit überwältigendem Musikantentum

Ursprünglich sollten Mitglieder der Wiener Philharmoniker das zweite Aachener Konzert des Euriade-Festivals bestreiten.

Die hatten aber recht kurzfristig absagen müssen. So zauberte Andreas Frölich, der künstlerische Leiter des Festivals, ein Ersatzprogramm aus dem Hut, dem etwas durchaus Improvisatorisches anhaftete.

Am ausgedruckten Programm gab es während des Konzertes noch einige Änderungen. Zu den „Hauskräften” Andreas Frölich (Klavier) und Ramon Jaffé (Cello) gesellten sich der estnische Geiger Andres Mustonen und die niederländische Sopranistin Renate Arends und gestalteten einen Abend, der zwar kaum eine künstlerische Linie hatte, dafür aber spontane, exzellente einzelne Darbietungen.

So konnte man den Geiger Andres Mustonen, einen Spezialisten für Barockmusik, durchaus als ein Ereignis der besonderen Art ansehen. Seine Erfahrungen in der Barockmusik brachte er auch in die Wiedergabe des Klaviertrios Es-Dur Nr. 45 von Joseph Haydn ein.

Liebevolle, lebendige Artikulation und Phrasierung waren Markenzeichen dieser Interpretation, deren Klangbalance angesichts der Verdopplung des Klavierbasses durch das Cello und des vollsaftigen Spiels von Ramon Jaffé bisweilen etwas gefährdet war.

Vorbildlicher Charakter

An Stücken des Argentiniers Astor Piazzolla, unter anderem die Jahreszeiten, konnte Mustonen die ganze Intensität seines überwältigenden Musikantentums demonstrieren. Im Zusammenspiel mit Andreas Frölich und Ramon Jaffé entstanden Wiedergaben dieser in ihrer Weltschmerz-Attitüde oft an Rachmaninoff erinnernden Musik, die in ihrer Spontaneität und ihrem improvisatorischen Charakter vorbildlich wirkten.

Die drei gefälligen Romanzen von Johann Strauß-Sohn waren in diesem Jahr schon einmal von Ramon Jaffé und Andreas Fröhlich zu hören. Pure Freude war auch die Wiederbegegnung mit der jungen Sopranistin Renate Arends, aus deren Mund nur reiner Wohlklang zu hören ist.

An Liedern von Mozart und Schubert konnte sie ihren kernigen, in allen Facetten leuchtenden lyrischen Sopran im besten Lichte erstrahlen lassen. Das ist makellos schön, stimmtechnisch brillant und dabei auch noch höchst intelligent und charmant gestaltet. Der vorbildliche Kammermusiker Andreas Frölich war hier ein kongenialer Begleiter.

Drei völlig unbekannte Romanzen für Sopran, Cello und Klavier von Franz Lachner nach Texten von Heinrich Heine beendeten das allzu ausgiebige Programm: reizvolle und durchaus eigenwillige Musik, in der Renate Arends in bestechendem Zusammenspiel mit ihren Partnern wieder besonders zu glänzen verstand.