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Eschweiler: Mit allen Mitteln gegen Verbrennung vorgehen

Eschweiler : Mit allen Mitteln gegen Verbrennung vorgehen

Brennt der Müll aus der Region ab März im Kohlekraftwerk Weisweiler? Gegen solche Pläne des Energieversorgers RWE Power laufen Politiker im Kreis Aachen bereits Sturm Richtung Bezirks- und Landesregierung. „RWE macht ein Geschäft auf dem Rücken der Bevölkerung”, beschwert sich öffentlich die CDU-Fraktion.

Im Braunkohlekraftwerk Weisweiler soll versuchsweise Hausmüll verheizt werden. RWE-Sprecher Manfred Lang erklärte, dass ab Mitte März 8000 Tonnen Müll angeliefert werden sollen. Der Modellversuch solle klären, wie die Kohleöfen auf den neuen Brennstoff reagieren. RWE Power schließt eine dauerhafte Nutzung für die Müllverbrennung nicht aus. Hintergrund ist die Schließung der Mülldeponien zum Jahresende 2005. Dann könnte die RWE-Anlage im Falle von Entsorgungsengpässen aushelfen.

Strenge Kontrolle

Verbrannt werden darf nur so genanntes Müllgranulat mit begrenztem Schadstoffgehalt. Grundsätzlich, so erklärte Franz Iven, Dezernent für Immissionsschutz, spreche aber nichts gegen einen solchen Versuch.

Das sehen CDU-Politiker der Region ganz anders. Landtagsabgeordneter Axel Wirtz: „Wir haben viel Geld investiert, um der Bevölkerung eine sichere und saubere Müllentsorgung zu gewährleisten. Nun soll in den RWE-Braunkohleöfen Müll ohne geeignete Filtertechnik verbrannt werden. Das gefährdet die Gesundheit der Menschen und die Wirtschaftlichkeit der sicheren Müllverbrennungsanlagen.”

Fraktionsvorsitzender Klaus-Dieter Wolf kritisierte den geplanten Feldversuch als „unverantwortlich und gefährlich”. Die Unionsfraktion hat Landrat Carl Meulenbergh aufgefordert, „gegen das Vorhaben vorzugehen und alle Möglichkeiten auszuschöpfen”, es zu verhindern.

Dem will der Landrat auch nachkommen, wie er auf Anfrage erklärte. „Es ist unverständlich, dass wir in die MVA für zig Millionen Filter einbauen müssen, während das RWE Müll ohne Filter verbrennen darf.”

Auch die Grünen im Kreis wollen Beistand aus Düsseldorf gegen das Vorhaben mobilisieren. Eine Dauernutzung parallel zur Müllverbrennungsanlage werde man „mit allen Mitteln” verhindern, erklärte der Aachener Parteisprecher Helmut Ludwig.

Unmut wird auch aus der Müllverbrennungsanlage Weisweiler laut. „Das ist geschäftsschädigend”, klagt MVA-Geschäftsführer Ulrich Koch.

Unterdessen fehlen der Bezirksregierung nur noch ein paar Papiere, dann kann die Testphase beginnen. Von einer ständigen Umnutzung des Kraftwerks ist RWE Power aber noch weit entfernt. Es werde im Falle der Fremdnutzung eine strenge Kontrolle geben, heißt es vom Regierungspräsidium.

Dezernent Iven: „Wir haben RWE klar gemacht, dass es dann Umweltverträglichkeitsprüfungen und eine öffentliche Beteiligung geben muss.” Ab März sollen zunächst rund 450 Tonnen - das sind 25 Lkw-Ladungen - pro Tag verheizt werden. Die Testphase ist auf zwei Wochen angelegt.