1. Kultur

Aachen: Mit achteckigen Bierdeckeln aus der Warteschleife

Aachen : Mit achteckigen Bierdeckeln aus der Warteschleife

Die Sache ist so einfach, dass sie sich auf einem Bierdeckel darstellen lässt, weswegen die Christliche Arbeiteiterjugend einfach mal 5000 von diesen eckigen Bierdeckeln hat drucken lassen.

„Ich will hier raus!”, steht darauf, und damit wäre das Konzept im Grunde schon hinreichend zusammengefasst. Die Deckel sollen jetzt in Kneipen verteilt werden.

Die Christliche Arbeiterjugend (CAJ) stellt ja gerne heraus, sich mit Lust und Freude jugendpolitischer Themen anzunehmen, und hat im Zuge dessen festgestellt, dass höchstens 15 Prozent der Abgänger von Haupt- und Förderschulen im Bistum einen Ausbildungsplatz erhalten. „Der Rest”, sagt Diözesansekretärin Melanie Kugelmeier, „hängt in der Warteschleife.”

Verbringt seine Zeit also mit nicht entlohnten Zusatzqualifikationen, Schulungen oder anderen Maßnahmen der Arbeitsagentur, an deren Ende nach Ansicht der CAJ aber viel zu selten die Vermittlung in ein Ausbildungsverhältnis steht. „Wir müssen Jugendliche darauf vorbereiten, dass nicht alle einen Ausbildungsplatz bekommen”, sagt Christian Fehr.

Deswegen ist das Ziel der sogenannten„Ich will hier raus!”-Berufsanfängerseminare, die an kooperierenden Schulen angeboten werden, nicht die Vermittlung von (Ausbildungs-)Stellen, sondern die Vermittlung neuer Lebensperspektiven. Fehr, pädagogischer Mitarbeiter der CAJ, sagt, es gehe darum, ein Bewusstsein für die Stärken jedes Einzelnen zu entwickeln, zu zeigen, dass es für eine Kapitulation vor der scheinbaren Ausweglosigkeit der Situation keinen Grund gibt.

Und dass es demokratische Mittel gibt, auf die grundsätzliche Problematik aufmerksam zu machen: Die CAJ steht im Austausch mit der Politik, auch, um auf die unbefriedigende Situation besagter Schulabgänger aufmerksam zu machen. Mehr, sagt CAJ-Diözesanleiter Sebastian Michels, könne eine Jugendorganisation nicht leisten.

Immerhin: Rodney Plum, Ehrenamtlicher bei der CAJ und Student der Sozialpädagogik, hat in einer Evaluation unter 300 Seminarteilnehmern ermittelt, dass „diese Seminare den Jugendlichen sehr geholfen haben”. Jedenfalls hatte sein Fragebogen eine Rücklaufquote von 98 Prozent.