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Aachen: Misereor sorgt für richtige Vergabe der Mittel

Aachen : Misereor sorgt für richtige Vergabe der Mittel

„In großer Sorge verfolgen wir, wie in der politisch so sensiblen Situation Südasiens manche Hilfsmittel über völlig fremde Strukturen verwendet werden”, sagte gestern Misereor-Geschäftsführer Martin Brückelmann-Simon.

In Wahrheit gehe es darum, „die betroffene Bevölkerung und gewachsene Strukturen der Hilfsverbände vor Ort einzubinden und nicht über ihren Kopf hinweg zu handeln”. Lokale Nichtregierungs-Organisationen seien bisher an den Geber-Konferenzen nicht beteiligt worden. Ein verhängnisvoller Fehler, befindet Misereor, „weil die Mittel der Soforthilfe und des langfristigen Wiederaufbaus erfahrungsgemäß in einem Verhältnis von eins zu zehn stehen”, so Brückelmann-Simon.

Die Einheimischen müssten mit ihrem Potenzial und ihren Kenntnissen zukunftsorientiert eingebunden werden. Dabei hätte Hilfe, die wieder verschwinde, wenn die Mittel aufgebraucht wären, keine Perspektive. Genau das aber sei bei der Präsenz von über 150 Hilfsorganisationen vor Ort zu befürchten.

Als Beispiel nannte der Asien-Projektleiter Martin Ditting das Schicksal der Fischer, deren Existenz wieder aufgebaut werden müsse, jedoch: „Ganze Küstenstreifen wurden weggespült, dort können zum Beispiel Ansiedlung von Industriebetrieben und Aufbau von Tourismus zur Umsiedelung der Fischer führen.” Ditting: „Wir erwarten große Probleme in den nächsten Jahren.” Dies gelte auch für regionale Konflikte wie in Indonesien oder auf Sri Lanka, wo man beobachten müsse, „wie gerecht die Hilfe verteilt wird”.

Misereor, das über 1,6 Millionen Euro als Soforthilfe zur Verfügung stellte, gründete mit vier weiteren Hilfswerken das Bündnis „Gemeinsam für Menschen in Not”. Beteiligt daran sind Brot für die Welt, medico international, terre des hommes und die Deutsche Welthungerhilfe.

Aus Indien zurückgekommen berichtete Misereor-Länderreferent Elmar Noé von seinen noch frischen Eindrücken: „Es ist erstaunlich, wie aktiv die Menschen vor Ort bereits beim Beginn des Wiederaufbaus sind.” Dort, wo ganze Dörfer verschwunden seien, „rollen bereits die Bulldozer”. Die Tatsache, dass die indische Regierung kaum ausländische Hilfe annehme, beurteilt das Hilfswerk skeptisch: In der betroffenen Region seien im kommenden Jahr Wahlen, da wolle die Regierung jetzt ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen. Noé: „Doch wir befürchten ein großes Loch nach den Wahlen. Die Hilfsorganisationen bereiten sich darauf vor.”

Ungeachtet dessen zeigte sich Noé immer noch beeindruckt von Begegnungen mit Betroffenen, darunter einer Frau, die Mann und neun Kinder verloren und nur das Fischerboot der Familie behalten habe: „Das aber wurde Tage nach der Katastrophe durch einen Brand Opfer der Flammen.”