Düren: Miloš Urbásek: Jenseits des Eisernen Vorhangs

Düren : Miloš Urbásek: Jenseits des Eisernen Vorhangs

Miloš Urbásek befand sich auf der Höhe seines künstlerischen Schaffens, als er 1988 im Alter von erst 55 Jahren starb. Der Eiserne Vorhang wurde ein Jahr später geöffnet. Urbásek geriet in diesen turbulenten Zeiten langsam aber sicher in Vergessenheit.

Die früheren Bemühungen westlicher Kuratoren, den Vertreter der tschechischen Nachkriegsavantgarde auch dem Publikum auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs vorzustellen, waren Geschichte. Das Dürener Leopold-Hoesch-Museum und die Hubertus Schoeller Stiftung widmen sich mit der Werkschau „Miloš Urbásek. Malerei“ 30 Jahre nach dem Tod des Künstlers der Aufarbeitung eines spannenden kunsthistorischen Kapitels.

Miloš Urbásek, der im tschechischen Ostrava geboren wurde, seinen Lebens- und Schaffensmittelpunkt aber in Bratislava hatte, stand zeitlebens in einem Austausch mit Prager Künstlerkollegen. Gemeinsam wollten sie die damals vorherrschenden surrealistischen und lyrischen Tendenzen mit einer modernen, konstruktiven Bildsprache überwinden. „Sie waren sehr früh, sehr weit und sehr modern“, blickte Gastkurator Hans-Peter Riese auf die 1960er und 1970er Jahre zurück. Der Kulturjournalist und ehemalige „FAZ“-Kunstkritiker lernte Urbásek 1964 als Student kennen — und schätzen. Beide verband eine Freundschaft. Seinen Kontakten aus seiner Zeit als Osteuropa-Korrespondent ist zu verdanken, dass Leihgaben aus dem Nachlass des Künstlers, der Galerie Závodný aus Mikulov und nicht zuletzt aus seiner privaten Sammlung zur Verfügung gestellt wurden.

Zunächst ohne Kontakt mit westeuropäischer und amerikanischer Kunst und damit unabhängig von den dortigen vergleichbaren Entwicklungen schuf Urbásek Werke, die sich mit Fragen nach der Konstruktion des Bildes, seinen Funktionen und seinem Raum auseinandersetzten. „Durch den Eisernen Vorhang drangen nur wenige Informationen in die Tschechoslowakei, so dass von einer autonomen Entwicklung gesprochen werden kann“, fasste Riese zusammen. Unabhängig voneinander lehnten sich Künstler auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs gegen die Tradition auf — und standen einander in der Qualität in nichts nach.

24 Werke hat der Kurator zusammengetragen, die die künstlerische Entwicklung des Malers nachzeichnen. In einer Vitrine sind zudem einige Grafiken Urbáseks ausgestellt. In den 1960er Jahren ging der Künstler stark von typografischen Elementen aus. Kleine Ungereimtheiten oder die ein oder andere leicht schief angeordnete Type sind keine Fehler. „Das ist Malerei, kein Druck!“, habe Urbásek immer entgegnet, berichtete Kurator Riese den Besuchern der Vernissage. In den 1970er Jahren entwickelte der Künstler eine rein abstrakte Malerei sich zueinander verhaltender Flächenformen, ehe er in den 1980er Jahren malerische Aspekte der typografisch orientierten Werke in konstruktive Bildfelder überführte.

Urbásek nachgelassenes Werk wird von seiner Witwe Andrea Dobosova verwaltet, die zur Eröffnung nach Düren reiste. Eine erste Überblicksschau fand im Herbst 2017 in der Galerie Závodný im tschechischen Mikulov statt. Nun besteht erstmals in Deutschland die Möglichkeit, den Arbeiten Miloš Urbáseks zu begegnen.

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