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Aachen/Düsseldorf: Millionen von arabischen Diabetikern

Aachen/Düsseldorf : Millionen von arabischen Diabetikern

Die Araber sollen nicht nur mehr Öl fördern, sondern auch das nordrhein-westfälische Gesundheitssystem sanieren helfen.

Ziemlich unverblümt gab jedenfalls am Montag die Landesregierung bekannt, dass man auf „bis zu 400 Millionen Euro” setze, die bestimmte arabische Patienten demnächst in NRW für ihr körperliches Wohlergehen ausgeben würden.

„Das Ministerium bemüht sich aktiv um die Klientel in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE)”, sagte ein Sprecher von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Ob überhaupt und wieviel dieses besonderen Geldsegens sich über Aachener Hospitäler ausbreitet, ist ungewiss.

Es geht also nicht um die großen arabischen Flächenstaaten, sondern um ein Abkommen speziell mit den Emiraten, das Anfang kommenden Jahres abgeschlossen werden soll. Von den knapp vier Millionen Einwohnern soll rund ein Viertel an Diabetes leiden, behauptet das NRW-Gesundheitsministerium.

„Konkret mit diesem Abkommen haben wir nichts zu tun”, sagt Dr. Ursula Fabry, die im Aachener Uniklinikum für ausländische Patienten zuständig ist. Wahrscheinlich gingen diese Millionen an Aachen eher vorbei.

Seit Monaten allerdings mehren sich die Zeichen, dass die Landesregierung auf „Gesundheitstourismus” setzt, um schwächelnden Hospitälern mit ausländischen Mittel unter die Arme greifen zu lassen. Laumann: „Die Millionen, die Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft mit solchen Patienten machen, kommen allen Patienten zugute.”

So könnten von den Gewinnen hochwertige technische Geräte angeschafft werden. Um diese besonderen Patienten zufriedenzustellen, müsse aber auch „verstärkt darüber nachdgedacht werden, exzellente medizinische Angebote mit Fünf-Sterne-Hotls für die Rehabilitation zu kombinieren”, fügte Wirtschaftsministerin Christa Thoben hinzu. Bislang werde das Potenzial der Gesundheitswirtschaft zu wenig in den Blick genommen, meinte die Ministerin.

Luxusarrangements im Paket

Speziell für die Behandlung von Diabetes ist Aachen aber nicht gerade als Schwerpunkt bekannt, der die vereinigten Scheichs und ihre Entourages zuhauf anlocken könnte. Da kommt wohl eher das auch von Laumann auch ausdrücklich als Beispiel erwähnte Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen infrage.

Es gibt im Uniklinikum allerdings „viele arabische Patienten, mit steigender Tendenz sogar”, bestätigt Fabry. Zahlen werden nicht genannt. Am meisten nachgefragt werde im Klinikum die Behandlung von Knochen- und Muskelkrankheiten, die Orthopädie sei sehr beliebt bei Arabern. Zugute komme das auch anderen Häusern, namentlich den Rehabiltationseinrichtungen.

Das Uniklinikum biete aber keine „Arrangements” in Kombination mit Luxusetablissements an. „Wir machen nur Medizin”, so Fabry. Man helfe allerdings im Verein mit der Stadt Aachen, bei größeren Gruppen für eine geregelte Unterbringung zu sorgen.

Dass Fünf-Sterne-Hotels wie der Aachener Quellenhof immer wieder einmal gut betuchte Gäste aus dem Orient beherbergen, ist bekannt. „Doch die meisten Araber schlafen in privaten Luxuswohnungen und -häusern, die von Agenturen in einem Paket angeboten werden”, weiß Aachens Verkehrsdirektor Werner Schlösser.

Eine feste Bank sind die Ölmillionen auf Dauer vermutlich ohnehin nicht. Denn auch Superreiche vergleichen Preise. Nachdem die USA aus politischen Gründen problematisch geworden waren, hatten zunächst die Mediziner in Großbritannien gut abgeschöpft, ihre arabische Klientel aber mit horrenden Preisen in die kontinentalen Kliniken getrieben. Beobachter sehen aber schon eine Wanderbewegung von Patienten und Millionen Richtung Ostasien.