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Mietschulden waren das Todesurteil

Mietschulden waren das Todesurteil

Aldenhoven (an-o) - Der Dreifach-Mord in einer Anwaltskanzlei in Overath ist aufgeklärt. Eine Woche nach der Tat hat ein Sondereinsatzkommando der Polizei am Dienstagabend in Aldenhoven einen 45-jährigen Mann und seine 19-jährige Freundin unter dringendem Tatverdacht festgenommen.

Gegen 22 Uhr hatten am Dienstagabend vor dem Spielclub "Oasis" in der Aldenhovener Industriestraße die Handschellen geklickt. Während der verhaftete Thomas A. aus Bergisch-Gladbach bisher keinerlei Angaben zur Sache machte, legte die 19-jährige Jennifer D. aus Hückelhoven am Mittwoch ein umfassendes Geständnis ab.

Nach bisherigem Kenntnisstand der Polizei hat sich das grausame Geschehen in der Overather Anwaltskanzlei so abgespielt:

Regelrecht hingerichtet

Am Dienstag vergangener Woche kam das Paar nach einer längeren Autofahrt in Overath an. Nach einem Spaziergang hatten sie sich unter dem Vorwand, einen Termin zu haben, Zugang zur Rechtsanwaltspraxis verschafft.

In der Kanzlei zog Thomas A. eine Waffe aus einer mitgeführten Reisesporttasche und erschoss die 56-jährige Ehefrau des Anwaltes. Daraufhin entstand ein Gerangel, in dessen Verlauf Thomas A. den 61-jährigen Anwalt und seine 26-jährige Tochter zwang, sich auf den Boden zu legen. Die 19-jährige Jennifer fesselte auf Anweisung ihres Freundes die Hände der Tochter. Anschließend erschoss A. die beiden.

10.000 Euro Mietschulden

Der 45-Jährige Thomas A., der vor dem Abitur die Schule abbrach und sich danach als Söldner unter anderem in Afrika und Südamerika verdingte, soll bei seinem Vermieter aus einem Mietverhältnis in Overath Rückstände in Höhe von rund 10.000 Euro gehabt haben. Ein entsprechendes Urteil hatte der Anwalt, der den Vermieter vertrat, vor etwa drei Jahren gegen ihn erstritten. Hierin dürfte das Motiv für die brutale Hinrichtung zu suchen sein.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand sympathisiert A. mit der rechten Szene. Hinweise auf eine politische Motivation der Morde sind jedoch nicht vorhanden.

Tatwaffe vor anderthalb Jahren gekauft

Die Tatwaffe, eine Pumpgun, hatte der mutmaßliche Mörder vor etwa anderthalb Jahren von einem Bekannten gekauft und diesem nach der Tat zurückgebracht. Dabei hatte er erwähnt, den Anwalt in Overath erschossen zu haben. Der Bekannte wandte sich daraufhin am Dienstag an die Polizei. Die anschließenden Ermittlungen führten am Dienstagabend zur Festnahme der beiden Personen.

Beide Tatverdächtigen, die nun eine Anklage wegen gemeinschaftlich begangenen dreifachen Mordes erwartet, waren der Polizei bekannt. Der 45-Jährige war wegen Körperverletzung und diverser Betäubungsmittel-Vergehen aktenkundig. Seine Freundin war als Kind von zu Hause ausgerissen und einmal als Schwarzfahrerin aufgefallen.

Anhand der Phantombilder erkannt

Zeugen hatten die beiden Festgenommenen auf den von der Mordkommission Overath veröffentlichten Phantombildern erkannt. Für Hinweise zur Ergreifung der Täter war eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt worden. Die Ermittler hatten zudem in der Nähe des Tatorts Steckbriefe mit der Beschreibung der zwei Hauptverdächtigen verteilt.

Gesucht wurden seit dem Wochenende ein etwa 30 bis 40 Jahre alter, schlanker Mann mit auffälligen Vorderzähnen und blassem Gesicht, der nach dem Verbrechen beim Verlassen des Hauses gesehen worden war. Außerdem wurde nach einer schmalen Frau mit roten, im Nacken kurz geschnitten Haaren gefahndet.