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Aachen: Michaela Maria Mayer: „Man weiß nie, wohin die Reise geht”

Aachen : Michaela Maria Mayer: „Man weiß nie, wohin die Reise geht”

Ein neuer Stern am Aachener Opern-Himmel (falls es so etwas gibt)? Nun mal halb lang. Fakt ist jedenfalls: Das Premierenpublikum am Karnevalssonntag feierte Michaela Maria Mayer, als sie nach zweieinhalb Stunden „Rigoletto” geschafft, aber überglücklich vor den Vorhang trat.

Bravourös hatte sie zuvor die Mammutpartie der Gilda gestemmt, einschließlich viel Liebesleid, tödlichen Messerstichen und Sterbeszene in den Armen des verzweifelten Narren. Wie überhaupt das ganze Ensemble mit stehenden Ovationen bedacht wurde.

Da Realismus eine hervorstechende Charaktereigenschaft von Michaela Maria Mayer ist, muss man ihr mit vorschnellem In-den-Himmel-Loben erst gar nicht kommen: „Meine Eltern sind ganz und gar geerdete Menschen. Von denen habe ich gelernt, nicht abzuheben.” Na klar, den Applaus des Aachener Publikums hat sie genossen, wer will es ihr verdenken.

Und ein wenig stolz ist sie auch, ihre erste Verdi-Partie so gut gemeistert zu haben. „Die Gilda ist eine große Herausforderung”, sagt sie und nippt im Theatercafé an ihrem Milchkaffee. Die Sopranistin weiß, dass weitere kommen werden und dass es auch mal Rückschläge geben wird. Aber sie ist, daran lässt sie keinen Zweifel, darauf vorbereitet.

Michaela Maria Mayer, geboren vor 29 Jahren in Regensburg, seit November in Aachen lebend, neues festes Ensemblemitglied am Theater. Erste Rolle im „Rigoletto”, ab Mai wird sie die Olympia in Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen” singen.

Das liest sich so einfach, dahinter stecken jedoch lange und harte Jahre Gesangsausbildung. Nach dem Abitur das Studium an der Hochschule für Musik in Nürnberg, später in Hannover. Studiengang Oper, später Soloklasse Gesang. Gesungen hat sie eigentlich schon immer. Der Klassiker: Kinderchor, Jugendchor, Kirchenchor. Kleinere Auftritte mit 15, 16 Jahren bei semi-professionellen Produktionen.

Dann der Gesangsunterricht und die Gewissheit, es versuchen zu wollen, sich einlassen zu wollen auf die ungewisse Zukunft als Opernsängerin. Eine vernünftige Entscheidung? „Es gehört schon eine große Portion Idealismus dazu. Die Ausbildung ist hart und dauert sehr lange, und man wird in der Regel nicht reich dabei. Aber ich habe es so gewollt.”

Die 29-Jährige ist glücklich über ihr Engagement in Aachen, das zweite feste nach Wuppertal. Es gibt halt viel Konkurrenz, die Stellen sind rar, man muss - neben viel Können - auch etwas Glück haben. Der Vertrag in Aachen, zunächst für zwei Spielzeiten, kam über GMD Marcus R. Bosch zustande, den sie in Chur in der Schweiz kennengelernt hatte, wo Bosch die Kammerphilharmonie Graubünden leitet.

Nun also das Rheinland, nun also Aachen. Natürlich betont sie, wie gut es ihr gefällt in der Stadt, wie freundlich sie aufgenommen worden sei vom Ensemble. Man glaubt es ihr gern. Wie man ihr auch die Ernsthaftigkeit abnimmt, mit der sie ihre Stimme weiter ausbildet. Seit 2007 arbeitet sie eng mit Prof. Snezana Stamenkovic zusammen, einer Gesangslehrerin in Mannheim. „Ich brauche die Rückkopplung. Nur so kann ich mich entwickeln.”

Wohin die Reise gehen wird? „Das kann man nie wissen. Ich bin da völlig offen.” In Wuppertal sang sie mit großem Erfolg lyrische Partien wie das Blondchen in Mozarts „Entführung aus dem Serail” und die Sophie in Massenets „Werther”. Die Gilda ist da schon eine Nummer kräftiger. „Ich singe alle Rollen, bei denen ich merke, dass sie mir gut tun, dass sie mich künstlerisch weiterbringen”, wehrt sich Michaela Maria Mayer gegen jedes „Kästchendenken”. Man müsse halt lernen, sich zurückzunehmen, nicht zu forcieren, sich Partien wie die Gilda einzuteilen.

Dinge, die für ein festes Ensemblemitglied in einem Haus mit breitem Spektrum notwendig sind. Und dann darf man natürlich auch mal träumen: von Rollen wie Alban Bergs Lulu, der Konstanze in der „Entführung”, der Sophie im „Rosenkavalier”. „Ich muss sehen, wie sich meine Stimme und wie ich mich selbst entwickle. Aber das ist ja auch ein großer Reiz.” Auch das Publikum in Aachen darf darauf gespannt sein.