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Aachen: Michael Roberts: Alphorn-Gruß aus den Bergen

Aachen : Michael Roberts: Alphorn-Gruß aus den Bergen

Eine nette Geste, als Solo-Hornist Michael Roberts ein mächtiges Alphorn auf die Bühne schleppte und den berühmten Hornruf aus dem Finale von Brahms‘ Erster Sinfonie anstimmte. Ein Gruß aus den Bergen, die Brahms zu dem berückend schönen Einstieg in den gewaltigen Satz inspirierten.

Mit Brahms‘ extrem ehrgeiziger „Erster“ galt es auch für Generalmusikdirektor Kazem Abdullah, im 6. Sinfoniekonzert im voll besetzten Aachener Eurogress einen Berg zu erklimmen, der das überfrachtete, ausschließlich Brahms gewidmete Programm des Abends krönte. Maßgeblich dazu beitrugen mit dem Sinfonischen Chor Aachen und dem jungen Solo-Cellisten des Orchesters, Daniel Wenzel, erfreulich viele heimische Interpreten.

Das Herzstück des Abends bildete freilich die Erste Sinfonie, und die gelang Abdullah und dem Orchester wie aus einem Guss. Trotz zügiger Tempi und einer druckvollen Dynamik behielt er das Klangbild stets unter Kontrolle.

Die Formverläufe präsentierten sich klar strukturiert, auch wenn es Abdullah so eilig hatte, dass er sogar auf einige Wiederholungen verzichtete.

Eine im Detail und im Gesamtaufriss präzis erarbeitete Interpretation, was man nicht von allen Beiträgen des Abends behaupten kann. Der recht dick instrumentierte Orchesterpart im „Gesang der Parzen“ etwa wirkte weit weniger ausgewogen und ausgeprobt.

Das mindert freilich nicht die engagierte Leistung des Opernchors und des von Elena Pierini einstudierten Sinfonischen Chors, die den dunklen Teilen des sechsstrophigen Werks nichts an voluminösem Nachdruck schuldig blieben.

Die Damen des Chors durften sich zum Auftakt sogar mit einer kleinen Rarität hervortun und zwar mit Vier Gesängen für Frauenchor mit Begleitung von zwei Hörnern und Harfe op. 17. Recht schlichte, aber schön gesetzte und originell instrumentierte Lieder, die bei den Aachener Damen bestens aufgehoben waren.

Als zweites Hauptwerk stand das nicht sonderlich beliebte Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester op. 102 auf dem Programm. Ein schwieriges, aber wenig dankbares Werk, dem man schon mit erheblicher Ausdrucksintensität beikommen muss, um den spröden Beigeschmack übertünchen zu können.

Unter diesem Aspekt hätte der Geiger Juraj Cizmarovic durchaus noch einen Gang höher schalten können. Sein Beitrag blieb sauber, aber recht brav. Glänzend dagegen behauptete sich Daniel Wenzel im haarigen Cello-Part. Von den kniffligen Doppelgriffen zu Beginn bis zu dem tänzerisch federnden Finale gelang ihm ein makelloser Vortrag.

Das Publikum reagierte mit gewohnter Begeisterung auf alle Beiträge des zweieinhalbstündigen Abends.