Köln: Metall-Kolosse im Rhein: Bergung im Rhein angelaufen

Köln : Metall-Kolosse im Rhein: Bergung im Rhein angelaufen

Spaziergänger am Kölner Rheinufer rieben sich ungläubig die Augen: Stahl-Kolosse, zum Teil zerbeult und deformiert, ragten bei strahlendem Sonnenschein aus dem Wasser heraus.

Nach der Havarie des Containerschiffes „Excelsior” im Kölner Süden am Sonntagnachmittag begann am Montag die mühsame Bergung von insgesamt 31 Containern, die trotz ihres Schwergewichts teilweise bis zu zehn Kilometer stromabwärts bis auf die Höhe der Innenstadt getrieben waren.

Ein allererstes Aufatmen gab es rund 24 Stunden nach der Havarie: Drei Schwerlastkräne hoben als ersten Container einen mit 22 Tonnen Kraftstoff-Zusatzstoff gefüllten Gefahrgut-Behälter aus den Fluten.

Aber insgesamt sechs Container, darunter ein weiterer mit Gefahrgut, wurden auch am Nachmittag noch vermisst. „Die Sucharbeiten werden in den nächsten Tagen intensiv fortgesetzt”, sagte die Leiterin des Kölner Wasser- und Schifffahrtsamts, Birgitta Beul, bei einer kurzfristig einberufenen und von großem Medienandrang begleiteten Pressekonferenz.

„Der Tank ist im Laufe der Nacht undicht geworden, und eine kleinere Menge von 10, 20, höchstens 100 Litern ist ausgelaufen”, sagte Feuerwehr-Einsatzleiter Peter Hartl über den geborgenen Container. Das Rhein-Wasser wäre beim Austritt größerer Mengen verunreinigt worden, betonte Hartl. Zwei Gefahrgut-Behälter lagen noch im Rhein, einer davon an noch unbekannter Stelle versunken in der Fahrrinne, einer im Uferbereich.

Bauchschmerzen bereiteten - neben der voraussichtlich bis Freitag gesperrten Schifffahrt in Köln - vor allem die 14 versunkenen Container, nach denen fieberhaft mit Spezialgeräten gefahndet wurde, wie Markus Lehmacher vom Wasser- und Schifffahrtsamt erklärte. Auch Hubschrauber und Peilschiffe kreisten zu Wasser und in der Luft auf der Suche nach den Riesen.

Das Unglücksschiff lag einen Tag nach der Havarie rund 50 Meter vom Ufer entfernt im Wasser - und wurde sogleich ein beliebtes Fotomotiv für viele Schaulustige. Kreuz und quer stapelten sich mehr als zwei Dutzend Container auf der „Excelsior”, die der Neckar- Reederei (Neckarsteinach) gehört. Ein Container ragte bedenklich über den Bordrand. „Mama, das fällt gleich runter”, sagte ein aufgeregter Knirps und zeigte auf die riesige Kiste.

„Drei Container liegen gleich hier vor uns im Wasser”, erklärte Anwohner und Augenzeuge Heinz Wienecke. Nur einer ragte sichtbar in Mitleidenschaft gezogen aus den Fluten, die beiden anderen lagen auf Grund. „Ich wurde durch einen großen Lärm gestern gegen 14 Uhr aufgeschreckt und habe dann gesehen, wie die Container schon den Rhein runter trieben”, erzählte Wienecke, dessen Grundstück direkt an die Promenade grenzt. „Ich wohne hier bereits seit 50 Jahren, aber so etwas habe ich noch nie erlebt: Ein Wendemanöver - hier, in der Rheinkurve - das ist doch unerklärlich.”

Auch in der Nacht war weiter gearbeitet worden, wie Lehmacher vom Schifffahrtsamt betonte. „Das Technische Hilfswerk hat die Container nachts gesichert. Die Wasserstände steigen leicht, und da wollten wir kein Risiko eingehen.” Ausgebremst durch die Sperrung waren allein bis zum Montagnachmittag über 100 Schiffe, außerdem mussten zahlreiche Frachter in dem gesperrten Abschnitt zwangsparken.

Auch die Ausflugsdampfer konnten von dem Bilderbuch-Wetter nicht profitieren. Derzeit sei zwar der Linienverkehr nicht betroffen, weil der erst in der Karwoche beginne, sagte Norbert Schmitz, der Vorstand der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt AG. Aber von Mittwoch bis Freitag seien ab Bonn Charterveranstaltungen geplant. „Wenn der Rhein weiter gesperrt bleibt, können wir nicht wie geplant von Bonn aus starten”, so Schmitz.

Schlimmer sei es für die Firma aber bei dem Containerunfall im April 1982 gewesen, berichtete Schmitz. Denn damals sei der Rhein in der Karwoche gesperrt gewesen. „Die Sache ist ähnlich wie bei dem Unglück 1982 bei Unkel”, erinnerte sich auch Wolfgang Nietfeld, der seit 1974 als Ingenieur beim Wasser- und Schifffahrtsamt tätig ist: „Es sind jede Menge Container über Bord gegangen, und die verstopfen nun die Fahrrinne. Damals waren es allerdings noch mehr gewesen, und da hat man für die Bergung sechs Tage gebraucht.”