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Meisterkonzert: Klangpoesie in schillernden Farben

Meisterkonzert: Klangpoesie in schillernden Farben

Aachen. Mit den Moskauer Philharmonikern unter ihrem Chefdirigenten Yuri Simonov eröffnete einer der großen und renommierten russischen Klangkörper die neue Saison der Meisterkonzerte im Eurogress.

Russische Musik bildete denn auch den Schwerpunkt des Programms Symphonische Dichtungen von zwei Vertretern des „Mächtigen Häufleins”, der nationalen russischen Schule, Modest Mussorgski und Nikolai Rimsky-Korsakoff waren der Rahmen, in den sich Edward Griegs Klavierkonzert a-Moll stilistisch nahtlos einfügte.

Mussorgskis schaurige Hexensabbath-Fantasie „Eine Nacht auf dem kahlen Berge” in der glättenden Bearbeitung Rimskys und dessen symphonische Dichtung „Scheherazade” sind sicherlich urwüchsige russische Musik, wirken aber in ihrer Kombination allzu vordergründig und eindimensional.

Rimskys Scheherazade-Partitur ist mit ihrer farbigen Instrumentierung, ihren schillernden Orientalismen und ihren schönen und folkloristisch angehauchten Themen glänzend gearbeitet, vermag aber angesichts der ständigen Wiederholung der Themen und Motive auf die Dauer kaum zu fesseln.

Simonov und sein in den Streichern groß besetztes Orchester malten diese Klänge mit breitem Pinsel, kosteten die instrumentalen Effekte genussvoll aus und bewiesen durch ein ausgeglichenes Klangbild und schöne solistische Leistungen eine vorzügliche Orchesterkultur.

Die Zugabe des Orchesters, zweifellos russischer Provenienz, gab sich allzu reißerisch und bot dem Dirigenten -Gelegenheit zu effektvollen Show-Einlagen.

Yundi Li war der Solist bei Griegs populärem, aus der norwegischen Folklore schöpfendem, Schumanns Vorbild nachgearbeitetem Klavierkonzert.

Der junge Chinese zeigte an dem dankbaren Klavierpart gleichermaßen seine virtuosen Fähigkeiten wie seinen poetischen Sinn für feine Klangvaleurs.

Spieltechnisch über alle Zweifel erhaben, mit kraftvollem Anschlag, der sich mühelos gegen den romantischen Orchesterklang durchsetzte, verlieh er dem Klavierpart größtmögliche Plastizität und gestalterischen Charme.

Nahtlos das Zusammenwirken mit dem von Simonov souverän geführten Orchester. Die aparte Zugabe mit ihrer schlichten Pentatonik stammte mit Sicherheit aus der Heimat des Pianisten.